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GIBUCI-Baden-Württemberg - 6./7. Juni 2011

Nachhaltigkeit als Chance – die Chemie als Vorreiter

Auf dem Podium: Dr. Gerd Backes, Dr. André Baumann, Michael Linnartz, Thomas Marwein und Johannes Stober, Foto: Ritter AGV Chemie
Auf dem Podium: Dr. Gerd Backes, Dr. André Baumann, Michael Linnartz, Thomas Marwein und Johannes Stober, Foto: Ritter AGV Chemie

Nachhaltigkeit oder Sustainability war Thema der Vorträge und Diskussionen in der GIBUCI-Veranstaltung der baden-württembergischen Chemie-Sozialpartner im Juni 2011 in Freiburg. Fast vierzig interessierte Teilnehmer nahmen sich zwei Tage Zeit, um mit Experten aus Wissenschaft und Politik das aktuelle Thema zu besprechen. Praktisch vertieft wurde das Thema vor Ort bei der Rhodia Acetow in Freiburg im Rahmen einer Betriebsführung. Dort stand im Mittelpunkt die Energieerzeugung im eigenen Kraftwerk der Rhodia.


Weltweites Leitbild

Für Prof. Dr. Peter Hennicke könnte Deutschland mit seinen Industrien ein weltweites Leitbild für den Klima- und Ressourcenschutz sein: Der ehemalige Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie erläuterte in einem Einführungsreferat, dass er große Chancen sehe für neue, blühende Industrien aufzubauen mit dem Schwerpunkt der Energieeffizienz. „Lean, clean, green“ sind für ihn nicht nur Schlagworte: „Grünes Wachstum“ sei mit weniger Naturverbrauch nicht nur möglich, sondern auch notwendig.


Energiehunger der Branche

Die chemische Industrie ist der größte industrielle Energieverbraucher in Deutschland – das stellte Dr. Gerd Backes, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie heraus. Dadurch habe die Branche ein großes Interesse an preiswerter Energie. Backes sprach sich dafür aus, Energiesparmaßnahmen besonders in Prozessen im Niedertemperaturbereich umzusetzen. Auch katalytische Verfahren bieten große Einsparpotentiale, so Backes. Die verstärkte Nutzung von natürlichen Ressourcen für die Energiegewinnung müsse ebenso berücksichtig werden wie die Möglichkeiten, die gerade die Chemie für die Verringerung des Energieverbrauches allgemein biete.


Regenerative Energien

Eindeutig für die umfassende Nutzung von regenerativen Energien trat Dr. André Baumann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) ein. Baden-Württemberg habe in der Zukunft die Wahl zwischen dem Klima Norditaliens oder dem Palermos. Dies hänge vom Klimaschutz ab. Seine Position zur Energiewende: „Raus aus der Atomenergie, raus aus der fossilen Energie, hin zu regenerativer Energie!“ Kohle ist für Baumann aufgrund der Klimaauswirkungen keine mögliche Alternative.


Soziale Nachhaltigkeit

Der Faktor „Soziales“ brachte Michael Linnartz, IG BCE-Hauptverwaltung Hannover, mit ins Spiel: Nachhaltigkeit sei nicht nur Ökologie, sondern müsse Ökonomie und Soziales gleichermaßen betrachten. Für Linnartz ist klar: Nur der technische Fortschritt löst Probleme – ökologische wie soziale. Soziale Nachhaltigkeit liege dann vor, wenn die Menschen gute Arbeitsbedingungen haben. Dazu gehören, so Linnartz, eine sinnvolle Ausbildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Er warnte davor, einseitig auf die Ökologie zu setzen und Wirtschaft  und Soziales zu vernachlässigen.


Forschung für den Mittelstand

„Die Chemie trägt zur Nachhaltigkeit bei“, so Thomas Marwein, Umwelt- und Lärmpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion. Er hatte bisher eher die negativen Auswirkungen der Branche im Blick, beispielsweise Schäden in Gewässern. Marwein trat dafür ein, neben der Unterstützung der Spitzenforschung in Bezug auf Nachhaltigkeit kleinen und mittleren Firmen gezielt Zugang zu den Forschungsprojekten und Ergebnissen zu ermöglichen. Naturnahe Produkte und energieeffizientere Produktionsprozesse könnten so besser entwickelt werden.


Nachhaltige Politik

Johannes Stober, Landtagsabgeordneter der SPD und Ausschussvorsitzender im Ausschuss für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, sieht die Nachhaltigkeit in der Stuttgarter Koalition ganz vorne. Es werde Nachhaltigkeit in allen Bereich gefordert. Da könne man auch Bereich wie Finanzpolitik und Bildung nicht ausnehmen. Nachhaltigkeit bedeutet für Stober auch, dass Projekte wie die Ethylenpipeline gefördert werden – sie sicherten den Bestand von Unternehmen.

Den „Rhodia Way“ als spezielles Konzept zur Verwirklichung von Nachhaltigkeitszielen konnten die Teilnehmer der GIBUCI-Veranstaltung im Unternehmen „gehen“. Die Stromerzeugung für das Werk, aber auch große Teile der Stadt Freiburg, mit modernsten Mitteln wurde vorgestellt. Die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Chemie-Unternehmen wurde damit als Leitidee und praktische Zukunftschance vorgestellt.