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Der Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ in der Umsetzung

Mit der Lebensarbeitszeit Zukunft gestalten

Im Frühjahr 2008 haben die Chemiearbeitgeber mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) einen neuen und zukunftsweisenden Tarifvertrag abgeschlossen: „Lebensarbeitszeit und Demografie“ ist sein Titel. Der Tarifvertrag sieht vor, dass mithilfe betrieblicher Demografieanalysen die kritischen personalpolitischen Handlungsfelder im Unternehmen zunächst identifiziert und dann daraus die notwendigen Konsequenzen gezogen werden – beispielsweise altersgerechte Arbeitsgestaltung, betriebliche Gesundheitsförderung, Weiterbildung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ein wichtiger Bestandteil des Tarifvertrages: Ab dem 1. Januar 2010 steht ein jährlicher Demografiebeitrag zur Verfügung, der für verschiedene Zwecke der Gestaltung der Lebensarbeitszeit - im Einverständnis der Betriebsparteien - verwendet werden kann.  - Mit Andreas Klose, stellvertretendem Landesbezirksleiter der IG BCE Baden-Württemberg, und Gerhard Schäferkord, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverband Chemie (agv Chemie), sprach der Informationsdienst des agvChemie "komprimiert" über Grundlagen, Notwendigkeiten und Schwierigkeiten bei der Umsetzung des „TV Demo“.



Herr Klose, warum ist Ihnen der Tarifvertrag „Demografie und Lebensarbeitszeit“ so wichtig?


Klose: Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft und veränderte gesetzliche Rahmen, wie z. B. beim Renteneintrittsalter, machen klar, ein „Weiter so“ reicht nicht aus. Darüber hinaus sind Themen wie Qualifizierung, Gesundheitsmanagement und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie maßgeblich mit dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie verbunden und damit der Arbeitsplätze.

 

Herr Schäferkord, wie profitieren denn die Unternehmen?


Schäferkord: Für unsere Unternehmen ist es angesichts der demografischen Entwicklung unverzichtbar, Fähigkeiten, Wissen und Erfahrung der Mitarbeiter zu erhalten. Dazu gehört natürlich, dass diese Mitarbeiter auch länger im Unternehmen tätig sind, dazu fähig sind und das auch wollen. Der Tarifvertrag schafft den Rahmen, der betrieblich mit Instrumenten und Möglichkeiten gefüllt werden kann.

 

Manche Unternehmen haben noch nicht mit der Demografieanalyse begonnen oder tun sich schwer dabei. Warum?


Schäferkord:
Vielleicht unterschätzen diese Unternehmen den Aufwand. Auf jeden Fall gilt: Das Unternehmen muss bis zum Jahresende die Analyse abgeschlossen haben. Daher erinnern wir bei jeder Gelegenheit daran – und unterstützen die Personalabteilungen, wo wir können.

 

Welche praktischen Hilfen geben denn die Sozialpartner, damit Unternehmen, Personalabteilungen ebenso wie Betriebsräte, die Herausforderungen des Tarifvertrages besser bewältigen können?


Schäferkord:
Die Referenten in der Rechtsabteilung des agvChemie haben sich intensiv weitergebildet, um die Unternehmen sinnvoll unterstützen zu können. Wir haben schon im vergangenen Jahr begonnen und das 2009 fortgesetzt, mit Seminaren praktisch zur Umsetzung des Tarifwerks zu schulen. Natürlich treten dann immer wieder auch spezielle Fragen auf, die wir individuell klären.


Klose: Viele praktische Handlungshilfen, wie z. B. zur Demografie-Analyse, helfen. Das flächendeckende Schulungsangebot für unsere Betriebsräte wurde vielfach genutzt. Starke Partner im Chemie-Versorgungswerk bieten attraktive Angebote zur Umsetzung. Natürlich helfen wir auch gerne bei der Gestaltung von Betriebsvereinbarungen.

 

Wie läuft die Zusammenarbeit der Sozialpartner im Einzelnen?
Klose:
Gemeinsame Veranstaltungen und Kommunikation zeigen, dass wir an einem Strang ziehen. Der Tarifvertrag, der im übrigen seines Gleichen sucht, ist meines Erachtens nach ein gutes Aushängeschild für die Sozialpartnerschaft. Die Anwendung vor Ort sowie die Weiterentwicklung setzen einen ständigen Austausch voraus.

 

Die Einrichtung des Demografiefonds fällt in die schwerste Wirtschaftskrise, die Deutschland seit Ende des zweiten Weltkrieges zu bewältigen hat. Wäre hier nicht eine Verschiebung, im Interesse der Wirtschaftsleistung der Unternehmen, sinnvoll?


Schäferkord: Darüber haben wir nachgedacht, die Frage im Ergebnis aber verneint. Die demografische Entwicklung bleibt nicht stehen, weil wir eine – hoffentlich kurze – Rezession haben. Daher können und wollen wir nicht zurück hinter die Vereinbarungen, die wir getroffen haben. Unser Ziel ist ja gerade, die Unternehmen fit für die Zukunft zu machen. Und mit Zukunft sind da nicht nur ein oder zwei Jahre gemeint, sondern das nächste Jahrzehnt.

 

Wie wird die chemische Industrie von der Alterspyramide und von der Lebensarbeitszeit her in 20 Jahren aussehen? Glauben Sie, dass der Tarifvertrag „Demografie“ hier die richtigen Weichen stellt?


Klose:
Es gibt genügend Veröffentlichungen, die zeigen, wo die Reise hingeht. Die betrieblichen Analysen machen dies sicher noch deutlicher. Länger gesund arbeiten sichert den Wissenstransfer und erhält die Erfahrung im Unternehmen. Attraktive Arbeitsbedingungen bringen und halten Fachkräfte. Ausbildungsplatzangebote und konsequente Qualifizierung in allen Altersstufen sichern den Nachwuchs und die Flexibilität des Unternehmens. Wer heute hier die Weichen stellt, hilft mit, sein Unternehmen wetterfest und zukunftsorientiert aufzustellen. Dieser Tarifvertrag und dessen zukünftige Weiterentwicklung sind genau dafür gemacht.


Schäferkord: Die Verhandlungen, die zum Tarifvertrag geführt haben, waren nicht einfach. Weder die Arbeitgeberverbände noch die Gewerkschaften haben sich die Sache leicht gemacht. Und das Ergebnis ist, davon bin ich fest überzeugt, sinnvoll und richtig. Die Alterspyramide können wir nicht umkehren. Aber mit dem Konzept der Lebensarbeitszeit und einer konsequenten Nachwuchswerbung werden wir es schaffen, dass die Branche so dynamisch bleibt, wie sie ist.