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GIBUCI - REACH und GHS in der Unternehmenspraxis

Aus der Praxis: Chemikalienpolitik mit großem Aufwand

Foto: Frank Eppler

Bei der Veranstaltung der Gesellschaft zur Information von Betriebsräten über Umweltschutz in der Chemischen Industrie - kurz GIBUCI - im Oktober 2010, die durch den agvChemie und die IG BCE, Landesbezirk Baden-Württemberg ausgerichtet wurde, stand die Umsetzung der europäischen Chemikaliengesetzgebung REACH und das neue „Globally Harmonized System“ (GHS) zur Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen im Mittelpunkt. Unternehmensbeispiele der CHT R. Beitlich GmbH, Tübingen, und der RheinChemie Rheinau GmbH, Mannheim machten die Themen für die 25 teilnehmenden Betriebsräte anschaulich. Die Vorträge verschafften auch Einblicke in die europapolitischen Bemühungen des VCI und die Vorgaben der deutschen Behörden. Die Veranstaltung wurde geleitet von Hinnerk Wolff, agvChemie, und Michael Siebler, IG BCE.


Verschiedene Rollen

Von der RheinChemie Rheinau GmbH erläuterten Dr. Annett König, Produktsicherheit, und der Betriebsratsvorsitzende Rainer Hippler beispielhaft die Probleme ihres Unternehmens mit REACH. CHT muss eine Vielzahl von Stoffen registrieren. Komplex sind insbesondere die möglichen unterschiedlichen Rollen des Unternehmens: Produzent, Importeur, Nutzer oder Händler. Danach gelten jeweils unterschiedliche Voraussetzungen, wie ein Stoff registriert werden muss. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, sich zur Registrierung eines Stoffes oder einer Zubereitung mit anderen Herstellern oder Verarbeitern zusammenschließen zu müssen.


Umsetzung problematisch

Gertrud Lauber vom Hauptvorstand der IG BCE stellte fest, dass die Ziele von REACH und GHS sicherlich wünschenswert sind. Die damit verbundene Bürokratie ist jedoch nicht zu unterschätzen und wirft gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen große Probleme auf.

Prof. Dr. Reinhard Quick, Leiter des VCI-Büros in Brüssel, erinnerte an die Geschichte von REACH. Was 1999 mit dem Auftrag des Ministerrates begonnen hatte, ist 2007 Gesetz geworden. Seither müssen sich die betroffenen Unternehmen mit 230 Seiten Gesetz und mehreren tausend Seiten Anhängen beschäftigen. Quick stellt fest, dass bei der Lobbyarbeit die Zusammenarbeit von Interessengruppen und Verbänden länderübergreifend noch besser werden könne. Mit den Teilnehmern war er sich einig, dass REACH im Rahmen der anstehenden Revision nicht verschärft werden darf.


Einheitliche Kennzeichnung

Dr. Georg Herb von der Landesanstalt für Umwelt- und Naturschutz Baden-Württemberg erläuterte die Umsetzung der neuen „GHS“-Regelung zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen. Zum 1. Dezember 2010 werden in Europa die bestehenden Gefahrstoffsymbole durch neue ersetzt und Stoffe teilweise auch neu klassifiziert.


Blick in die Praxis

Bei der Betriebsbesichtigung der CHT R. Beitlich GmbH begrüßte der Personalleiter Peter Hepper die Teilnehmer. Am Unternehmensbeispiel stellte Andreas Bayer, Leiter Produktsicherheit, die praktischen Auswirkungen und den Stand der umfangreichen Umstellungsarbeiten von „GHS“ im Unternehmen vor. Der Aufwand geht von der Dokumentation über die Schulung von Mitarbeitern bis hin zur Anpassung von Maschinenbeschriftungen und Software-Programmen.

Schwerpunkt der Diskussionen der Teilnehmer mit den Referenten waren die möglichen Auswirkungen von REACH und GHS in der Unternehmenspraxis. Gerade kleine Unternehmen kommen mit der dazu notwendigen Bürokratie schnell an ihre Grenzen. Die Sozialpartner der chemischen Industrie und der VCI sollten allen Einfluss geltend machen, dass zumindest keine Verschärfung der Regelungen eintritt.


Materialien:

Initiates file downloadREACH und ECHA (GIBUCI)
Initiates file downloadEU CLP Verordnung (CHT R. Beitlich GmbH)
Initiates file downloadREACH-Revision 2012 (Reinhard Quick, VCI)
Initiates file downloadKennzeichnung von Gefahrstoffen - GHS (Dr. Georg Herb, LUBW)
Initiates file downloadREACH - Auswirkungen auf die Unternehmen der Chemischen Industrie (RheinChemie)