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ChemieNord / IG-BCE-Landesbezirk Nord

Alles andere als selbstverständlich: Die gute Sozialpartnerschaft innerhalb der Chemiebranche

Sich persönlich kennenzulernen und die Voraussetzungen für eine funktionierende Sozialpartnerschaft zu verinnerlichen – dazu trafen sich junge Kollegen der IG BCE Nord und des AGV ChemieNord. - Foto: AGV ChemieNord
Sich persönlich kennenzulernen und die Voraussetzungen für eine funktionierende Sozialpartnerschaft zu verinnerlichen – dazu trafen sich junge Kollegen der IG BCE Nord und des AGV ChemieNord. - Foto: AGV ChemieNord

Faire Tarifverhandlungen führen, sich nicht bei jeder Meinungsverschiedenheit sofort vor einem Schilderwald mit schrillen Kampfansagen wiederfinden und dabei gute Abschlüsse erzielen – wovon andere Branchen nur träumen können, ist für die Chemieindustrie Realität: Seit Jahrzehnten verlaufen die Tarifverhandlungen ohne Streiks. Zu verdanken ist das in erster Linie der guten Sozialpartnerschaft, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter pflegen.

 

Im Norden ruht diese Verantwortung vor allem auf den Schultern von ChemieNord-Hauptgeschäftsführer Dr. Jochen Wilkens und Ralf Becker, Leiter des IG BCE Landesbezirks Nord. In den vergangenen Jahrzehnten haben sie, trotz naturgemäß häufigen Meinungsverschiedenheiten, den direkten Draht zueinander und ein robustes Vertrauensverhältnis aufgebaut. „Politiker schauen oft verwundert, wenn Dr. Wilkens und ich zusammen auftreten“, so Ralf Becker. „Das zeigt: Eine gute Partnerschaft zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite ist alles andere als alltäglich.“ Deshalb versammeln die beiden auch schon einmal ihre jungen Kollegen,  um diesen zu vermitteln, wie wichtig eine funktionierende Sozialpartnerschaft ist. Außerdem führen sie gemeinsame Sozialpartner-Veranstaltungen durch, wie etwa den „Berufskompass Chemie“ oder „Digitalisierung in der Chemieindustrie“. „Wir wollen verdeutlichen, dass die Partnerschaft keine Selbstverständlichkeit ist, sondern gepflegt werden muss“, erklärte Dr. Wilkens. „Das bedeutet an gemeinsamen Interessen zu arbeiten, aber auch eine gesunde Streitkultur zu pflegen. Ralf Becker und ich streiten uns oft, durchaus auch kräftig – aber immer in der Sache, nie als Personen.“ Der direkte Austausch, den Gegenüber kennen und einschätzen zu können, sind Grundvoraussetzungen für eine funktionierende Sozialpartnerschaft, sind beide überzeugt. 

 

Das bestätigte auch Prof. Dr. Andreas Suchanek vom Wittenberg-Zentrum für globale Ethik. Der Wissenschaftler hat den Wittenberg-Prozess begleitet, durch den sich die Chemie-Sozialpartner auf einen gemeinsamen Ethik-Kodex verständigt haben. Dieser Kodex liegt Verhandlungen als eine Art gemeinsames Spielverständnis zugrunde.