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ChemieNord / IG-BCE-Landesbezirk Nord

Erster Schritt zur Umsetzung des Wittenberg-Prozesses

Von links: Ralf Becker (IG BCE), Dr. Jochen Wilkens (ChemieNord), Edeltraud Glänzer (IG BCE), Peter Hüttenmeister (IG BCE), Prof. Dr. Dr. Karl Homann (Universität München), Wolfgang Goos (BAVC) und Christian Jungvogel (IG BCE).

Nachdem 250 Vertreter aus der chemischen Industrie ein Jahr lang in einer Workshop-Reihe in der Lutherstadt Wittenberg („Wittenberg-Prozess“) gemeinsame Leitlinien vorbereitet haben, verständigten sich Mitte 2008 der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) auf einen Ethik-Kodex für die Chemieindustrie.


Im Beisein von Bundespräsident Horst Köhler unterzeichneten sie eine Sozialpartner-Vereinbarung und damit erstmals gemeinsam formulierte ethische Grundsätze für eine gesamte Branche. Die Chemie-Sozialpartner wollen so der Vertrauenskrise der Sozialen Marktwirtschaft entgegenwirken. Ziel der Vereinbarung ist es, in der chemischen Industrie ein werteorientiertes und faires Verhalten zu fördern. Horst Köhler lobte in einem Grußwort diese Initiative und mahnte deren praktische Umsetzung an: „Ich wünsche uns allen, dass Sie nun genauso engagiert daran arbeiten, die fünf Thesen in die betriebliche Praxis umzusetzen.“


Als erster regionaler Chemie-Arbeitgeberverband hat ChemieNord dazu am 20. Januar 2009 einen wichtigen Schritt getan. Gemeinsam mit dem Landesbezirk Nord der IG BCE lud der Verband über 100 Geschäftsführer, Personalleiter und Betriebsräte zu einer Sozialpartnerveranstaltung nach Hannover ein, um mit ihnen die Herausforderungen der Branche im schwierigen Wirtschaftsumfeld zu diskutieren. Gemeinsam erörterte man, welchen Wert die Soziale Marktwirtschaft heute noch hat und welche Rolle die Sozialpartner in der Sozialen Marktwirtschaft spielen.


In einem einleitenden Beitrag ging Prof. Dr. Dr. Karl Homann von der Ludwig-Maximilians-Universität München der Frage nach, was die Ursachen für die deutlich abnehmende Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft sind und kam zu dem Schluss, dass man sich neu darauf verständigen müsse, welche moralischen Regeln zukünftig gelten sollen. Diese müssten dann wirksam institutionell geschützt werden. Ein Vorbild auf diesem Weg könne die Chemie sein. „Gerade jetzt in der Krise brauchen wir Regeln. Die Sozialpartner in der Chemie haben sich Regeln für das zukünftige Miteinander gegeben und sind damit einen wichtigen ersten Schritt gegangen“, so Homann.


In weiteren Beiträgen unterstrichen Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, und Wolfgang Goos, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BAVC, welche besondere Aufmerksamkeit sich die Chemie-Sozialpartner in der gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Diskussion durch ihren partnerschaftlichen Umgang geschaffen hätten und welchen positiven Einfluss dies auf das Klima in den Unternehmen habe.