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Hessen 2015

Wie sichern wir unser Wissen?

Prof. Klaus North von der Hochschule RheinMain stellt die Wissenstreppe vor. - Foto: Malika Guedil

Nach 28 Jahren verändert GIBUCI sich. Die Gesellschaft zur Information von Betriebsräten über Umweltschutz in der chemischen Industrie (GIBUCI) heißt nun So.WIN, Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit. Zum wichtigen Thema Umweltschutz kommen weitere Themen aus den anderen Dimensionen von Nachhaltigkeit hinzu. Darüber hinaus soll So.WIN neben Betriebsräten auch Fach- und Führungskräfte ansprechen. Symbolisch ist das Thema der letzten GIBUCI-Veranstaltung in Hessen von den Chemie-Sozialpartnern ausgewählt worden, um diesem historischen Datum Ausdruck zu verleihen: der betriebliche Wissenstransfer. Der demografische Wandel, aber auch die Digitalisierung tragen zur Bedeutung dieses Themas bei. Damit stand die Veranstaltung in der Tradition früherer Veranstaltungen der hessischen Chemie-Sozialpartner, die schon in der Vergangenheit zukunftsgerichtete Themen vor dem Hintergrund der betrieblichen Praxis aufgriffen.

 

In seiner Begrüßung sagte Jürgen Funk, Geschäftsführer Kommunikation und Bildungspolitik bei HessenChemie: „Wissenstransfer ist ein zentrales Thema unserer Zeit, auch die Sozialpartner müssen sich damit beschäftigen.“ Darüber hinaus schlug er den Bogen von der Erziehung der Kinder durch die Eltern, der schulischen Bildung, der beruflichen Bildung und später des Austauschs von Wissen im Betrieb. Dies alles seien Formen des Wissenstransfers. Der für die IG BCE Hessen-Thüringen begrüßende stellvertretende Landesbezirksleiter, Osman Ulusoy, rief den Anwesenden vor Augen, dass Deutschland ein rohstoffarmes Land sei. „Wissen ist die Ressource der Menschen in Deutschland und damit sind wir außerordentlich erfolgreich. Das Niveau in Deutschland muss beibehalten werden“, sagte er im Rahmen der historischen, weil letzten Veranstaltung unter dem Namen GIBUCI.

 

Die Bedeutung und Möglichkeiten betrieblichen Wissenstransfers

Im Rahmen der Veranstaltung am 3. Dezember 2015 im HessenChemie Campus stellte Prof. Klaus North von der Hochschule RheinMain den etwa 50 Teilnehmern die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zum Wissensmanagement und Wissenstransfer in Unternehmen vor. Zentral seien hierbei zwei Fragen: „Welches Wissen haben wir heute? Und welches Wissen brauchen wir in der Zukunft für den Erfolg des Unternehmens?“, so Prof. North. Er wies auf die Bedeutung von Informationen und Wissen im Betrieb hin. Das Wissen steckt in den Köpfen der Mitarbeiter, in Form von Informationen in den Systemen, aber auch in Prozessen und Technologien, die im Betrieb zum Einsatz kommen. „Wissenstransfer braucht eine Führungskultur, die die Weitergabe von Wissen fördert“, führte Prof. North weiter aus. Das vorhandene Wissen effizient und effektiv durch geeignete Maßnahmen zu nutzen, bietet große Potenziale. Es gehe nicht darum, dass Wissen zu horten und als Machtfaktor zu verstehen, sondern das Teilen von Wissen als wichtigen Beitrag für den Erfolg des Unternehmens zu begreifen. Ein wichtiger Aspekt sei hier die Förderung der Bereitschaft der Mitarbeiter, ihr Wissen mit anderen zu teilen. Ein gutes Wissensmanagement und ein guter Wissenstransfer innerhalb der Organisation mache diese erfolgreicher. „Der Wert des Wissens macht sich an der Kompetenz fest“, so Prof. North. Die Kompetenz beinhalte die Fähigkeit der Mitarbeiter, etwas richtig zu tun.

 

„Wissenstransfer ist kein in sich abgegrenztes Thema, sondern ein Themenkomplex“, so leitete Ulrike Rudolphi von der Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie ihren Vortrag ein. Sie zeigte den Teilnehmern verschiedene Möglichkeiten des betrieblichen Wissenstransfers auf, wie beispielsweise den direkten Austausch mit den Kollegen, Job-Rotation oder auch Mentoren-Programme. Die Herausforderung ist hierbei jedoch, die für das jeweilige Unternehmen geeigneten Instrumente zu finden. Die individuellen Rahmenbedingungen seien für die erfolgreiche Umsetzung des betrieblichen Wissenstransfers entscheidend. „Die Akzeptanz der Maßnahmen hängt maßgeblich von der Möglichkeit der Mitgestaltung ab“, so die Referentin. Ein allgemein erfolgreiches Instrument für alle Unternehmen gebe es hierbei nicht. Wie schwierig es ist, das eigene Wissen zu benennen, erfuhren die Teilnehmer in einer praktischen Übung. Sie waren aufgefordert, jeweils mit dem Sitznachbarn bei sich selbst vorhandenes Wissen zu identifizieren, um es mit anderen zu teilen. Die Identifikation des Wissens ist eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Wissenstransfer. 

 

Dies wurde auch am Beispiel von Evonik Industries Darmstadt deutlich. Den Teilnehmern stellte der Betriebsratsvorsitzende Michael Hofmann den GenerationenPakt vor. Dieser setzt sich zusammen aus vier Bausteinen: dem Langzeitkonto, einer Förderung durch den Arbeitgeber, der Verwendung des Demografiebetrag II aus dem Tarifvertrag Demografie und einer betrieblichen Altersversorgung. Die an diesem Programm teilnehmenden Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, früher aus dem Unternehmen auszuscheiden. Darüber hinaus wird dieser Mitarbeiter mit einer Nachwuchskraft zusammengebracht, die dann anstelle des ausscheidenden Mitarbeiters übernommen wird. Der Mitarbeiter soll zum einen sein Wissen an die junge Fachkraft weitergeben, damit dieses im Unternehmen gehalten werden kann. Zum anderen soll der Nachwuchskraft eine attraktive Perspektive im Unternehmen geboten werden.

 

Thematische Neuausrichtung: Vom Umweltschutz zur Nachhaltigkeit, GIBUCI wird So.WIN

Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Carola Dittmann, Stiftung Arbeit und Umwelt der IG BCE, erläuterten gemeinsam die Neuausrichtung der Sozialpartner-Einrichtung von BAVC und IG BCE. GIBUCI wird zur Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) und erbringt damit einen wichtigen Beitrag der Chemie-Sozialpartner zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³. „Wissenstransfer klingt so technisch, der Begriff ‚Bildung‘ macht es greifbarer“, führte Andreas Ogrinz in seinen Vortrag ein. Bildung sei auch ein Nachhaltigkeitsthema. „GIBUCI und ab kommendem Jahr So.WIN ist ein wichtiger Teil der Bildungsarbeit für Nachhaltigkeit von Chemie³“, erläuterte Herr Ogrinz die Rolle der Sozialpartnereinrichtung von BAVC und IG BCE. So.WIN nimmt hierbei die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit in der chemischen Industrie ein. Dabei bauen die Chemie-Sozialpartner auf den Erfahrungen aus 28 Jahren GIBUCI auf, in denen sich die Branche intensiv mit Fragen des Umweltschutzes beschäftigt hat. Im Sinne eines Wissenstransfers soll auch beim Übergang von GIBUCI zu So.WIN bewährtes Wissen weitergegeben werden, weitere Themen kommen hinzu. Zukünftig wird So.WIN sich mit Nachhaltigkeitsthemen aus den Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales befassen. „Auf Bundesebene arbeiten IG BCE und BAVC an einem Konzept zur Ausbildung von Nachhaltigkeitspromotoren, das für So.WIN genutzt werden kann“, erklärte Carola Dittmann, „GIBUCI ist nicht zu Ende, es heißt nun So.WIN“.Dies wurde bereits im Rahmen der beschriebenen GIBUCI-Veranstaltung in Hessen deutlich.

 

Neben der thematischen Neuausrichtung wird der Teilnehmerkreis erweitert: Betriebsräte sowie Fach- und Führungskräfte aus den jeweiligen Betrieben sollen von den Veranstaltungen angesprochen werden. So.WIN soll damit einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ leisten und die Rolle des Bildungsträgers für Nachhaltigkeit einnehmen. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³ setzen sich auch in Hessen die Chemie-Arbeitgeber, die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie und der Verband der chemischen Industrie gemeinsam dafür ein, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu stärken und die Position der Branche in Bezug auf eine nachhaltige Entwicklung auszubauen.

 

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie finden Sie auf Opens external link in new windowwww.chemiehoch3.de.