Institutionen
Ansicht   
Hessen 2016

Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen

Bis auf den letzten Platz ausgebucht - die So.WIN-Veranstaltung zur betrieblichen Gesundheitsförderung - So.WIN / Tamara Jung-König
Teilnehmerinnen und Teilnehmer der So.WIN-Veranstaltung zur betrieblichen Gesundheitsförderung - So.WIN / Tamara Jung-König
Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie (links) und Osman Ulusoy, stellv. IG-BCE-Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen - So.WIN / Tamara Jung-König
Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer HessenChemie (links) und Osman Ulusoy, stellv. IG-BCE-Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen - Foto: So.WIN / Tamara Jung-König
Aktive Pause - Foto: So.WIN / Tamara Jung-König
Aktive Pause -  Foto: So.WIN / Tamara Jung-König
Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit- Foto: So.WIN / Tamara Jung-König
Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit- Foto: So.WIN / Tamara Jung-König

Dass die chemisch-pharmazeutische und Kunststoffverarbeitende Industrie in Hessen die Vorteile von Nachhaltigkeit erkannt hat, schrieb die FAZ Rhein-Main-Zeitung im September (FAZ Rhein-Main-Zeitung vom 22.02.2016). In einem gemeinsamen Gespräch hatten Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie, und Volker Weber, Landesbezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Hessen-Thüringen auf die Bedeutung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit hingewiesen. Dass Arbeitgeber und Gewerkschaft hieran gemeinsam arbeiten, stellten die hessischen Chemie-Sozialpartner am 12. Oktober in Wiesbaden unter Beweis. In den Mittelpunkt der bundesweit ersten Veranstaltung der Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) stellen sie die betriebliche Gesundheitsförderung, also ein Thema der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.

Bundesweit erste So.WIN-Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausgebucht

Zur bundesweit ersten Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hatten der Arbeitgeberverband HessenChemie gemeinsam mit der IG BCE Hessen-Thüringen zu einem hochaktuellen Thema eingeladen: „Betriebliche Gesundheitsförderung: Kooperationspartner finden und richtig einsetzen – für den Betrieb und für die Mitarbeiter“. „Heute ist ein historischer Tag, So.WIN tritt die Nachfolge von GIBUCI an und das mit einer vollen Veranstaltung mit 60 Teilnehmern“, so begrüßte Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen, die Teilnehmer der Veranstaltung. Für HessenChemie hob Dirk Meyer die besondere Form der Zusammenarbeit der Chemie-Sozialpartner hervor. Dabei verwies er auch auf das gemeinsam zwischen Chemie-Gewerkschaft und –Arbeitgebern entwickelte Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und den Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit. 

In seinem Impuls zur gemeinsam vom Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und der IG BCE getragenen Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) hob Dr. Andreas Ogrinz die Bedeutung der Einrichtung hervor. So.WIN ist die Bildungseinrichtung der Chemie-Sozialpartner auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Die Einrichtung leistet als Bildungsträger einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeitsinitiative Chemie³, mit der sich der BAVC, die IG BCE und der Verband der chemischen Industrie (VCI) zum Ziel gesetzt haben, Nachhaltigkeit als Leitbild in der Branche zu verankern. So.WIN bezieht sowohl die Fach- und Führungskräfte als auch Betriebsräte in diesen Prozess ein. 

Wirksamkeit und Nutzen von Gesundheitsmaßnahmen und das Präventionsprogramm „Betsi“

Das Thema Gesundheit geht beide an: Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Frage, welches die richtigen Maßnahmen für die betriebliche Gesundheitsförderung sind, wird immer wieder gestellt. Sarah Schröer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Essen und Mit-Autorin des iga.Reports 28, stellte genau dies in den Mittelpunkt ihres Vortrags.  Anhand wissenschaftlicher Evidenz und Meta-Studien zeigte sie auf, welche Maßnahmen bei allgemeinen Gesundheitsfragen, psychischen Erkrankungen und Stress oder Muskel-Skeletterkrankungen wirken können. Darüber hinaus gab sie eine Einschätzung zum wirtschaftlichen Nutzen und den Kosten von Gesundheitsmaßnamen ab.

Praktisch wurde es dann mit dem Vortrag von Dr. Harald Knyrim, Gesundheitszentrum Federsee, der das Präventionsprogramm „Betsi – Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern“ und die damit bislang gemachten Erfahrungen vorstellte. Nach festgelegten Kriterien werden die Teilnehmer für dieses von der Deutschen Rentenversicherung angebotene Programm ausgewählt. Die Teilnehmer nehmen in verschiedenen Phasen, d.h. stationären Aufenthalten in einer Einrichtung wie dem Gesundheitszentrum Federsee, aber auch im Alltag und im Betrieb, an dem Programm teil. Hierbei werden Themen wie Bewegung und Ernährung sowie weitere Belange der Teilnehmer, abhängig von der individuellen Situation, aufgenommen und verstetigt.

Gesundheit und Bewegung nicht nur in der Mittagspause

Nach einer ausgiebigen Mittagspause, in der die Teilnehmer die Gelegenheit nutzten, sich mit Smoothies zu versorgen sowie an Bewegungsübungen teilzunehmen, die die BARMER GEK zur Verfügung gestellt hatte, stellte  Beatrice Lünzer die Angebot einer gesetzlichen Krankenkasse für die betriebliche Gesundheitsförderung vor. Neben der Möglichkeit einer Kooperation mit Einrichtungen, die direkt Präventionsprogramme anbieten, sind auch die gesetzlichen Krankenkassen mögliche Anlaufstellen für Unternehmen. Diese Angebote können insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen interessant sein und das betriebliche Gesundheitsmanagement unterstützen. 

Weil auch langes Sitzen ungesund ist, wurden die Vorträge von Herrn Dr. Knyrim und Frau Lünzer durch aktive Phasen ergänzt. So übten sich die Teilnehmer darin, mit zwei Taschentuch-Packungen verschiedene Übungen zu machen, um beide Gehirnhälften zu trainieren. Hierbei sollten die Packungen zum Beispiel gerade hoch geworfen, aber überkreuz wieder aufgefangen werden.

Schluss: gemeinsamer Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner

Mit einem gemeinsamen Vortrag der hessischen Chemie-Sozialpartner, der die Aktivitäten und Möglichkeiten in der chemischen Industrie vorstellte, wurde eine Klammer um die Veranstaltung gezogen: die Sozialpartner bezogen sich ausführlicher als am Anfang auf das gemeinsame Leitbild zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und anderen Möglichkeiten, beispielsweise die Weiterbildung- und Beratungsangebot der jeweiligen Organisation. 

Mit einem Beispiel der Firma Merck Darmstadt wurde auch hier die Brücke zur betrieblichen Praxis geschlagen. Die Veranstaltung bot den Teilnehmern viele Anregungen für das eigene Unternehmen, die beim anschließenden „Get-Together“ weiter diskutiert wurden.