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Hessen 2017

Der Mensch bleibt Mittelpunkt der Arbeitswelt

Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen; Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie und Daniel Schubert, Referent Nachhaltigkeit und politische Kommunikation, HessenChemie (v.l.n.r.). - Foto: So.WIN / Arne Landwehr
Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE Hessen-Thüringen; Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie und Daniel Schubert, Referent Nachhaltigkeit und politische Kommunikation, HessenChemie (v.l.n.r.). - Foto: So.WIN / Arne Landwehr

Hessische Sozialpartner diskutieren bei So.Win-Treffen über die digitale Zukunft der Arbeit

 

„Der Mensch ist Mittelpunkt der Arbeitswelt und wird das in Zukunft auch bleiben“, lautet die Einschätzung von Dr. Andreas Ogrinz, Geschäftsführer Bildung, Innovation, Nachhaltigkeit beim Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC), gleich zu Beginn der zweitägigen Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN). Ende August hatten der Arbeitgeberverband HessenChemie zusammen mit dem IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen rund 30 Betriebsräte und Führungskräfte zum gemeinsamen Workshop nach Wiesbaden eingeladen, um über die Digitalisierung der Arbeitswelt zu diskutieren.

 

„Es ist wichtig, dass die Chemie-Sozialpartner gemeinsam über die Veränderungen der Arbeitswelt diskutieren, um den Wandel konstruktiv und gemeinsam zu gestalten“, betonte Ogrinz mit Blick auf den auf Bundesebene begonnenen Dialog-Prozess „Work@industry 4.0". Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter im IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen und Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer der HessenChemie, unterstützen diese Stoßrichtung. Auch die hessischen Sozialpartner wollen die anstehenden Aufgaben gemeinsam angehen.

 

„Es gilt die Potenziale und Chancen der Digitalisierung für unsere Branche und ihre Beschäftigten zu nutzen. Dazu gehört auch die notwendige Debatte über die richtige Balance bei der flexiblen Ausgestaltung von Arbeit und Arbeitszeit. Bei den anstehenden Veränderungen wird die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor sein“, so Meyer. Das orts- und zeitunabhängige Arbeiten bietet zum Beispiel neue Möglichkeiten für viele Mitarbeiter und für die Unternehmen. Dabei gehen beide Seiten davon aus, dass der Mensch weiterhin im Zentrum der Arbeitswelt stehen wird, auch wenn sich manche Tätigkeiten verändern werden. Dies sah auch Osman Ulusoy so und wies zusätzlich auf den Wandel der Betriebsratsarbeit hin: „Der Umgang mit Daten wird in einer digital vernetzen Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen. Auch die Betriebsräte müssen das notwendige IT-Know-How aufbauen, um ihre Aufgaben kompetent wahrnehmen zu können“, so Ulusoy.

 

 

Die duale Ausbildung in Deutschland als Basis für Innovation

 

Professor Dr. Sabine Pfeiffer, Soziologin an der Universität Hohenheim, fasste die Diskussion zur Digitalisierung auf globaler, aber auch auf nationaler Ebene zusammen. Lange Zeit lautete die Botschaft, die Industrie sei ein Auslaufmodell. Erst mit dem Begriff „Industrie 4.0“ rückte die Industrie in Deutschland nach ihrer Darstellung wieder stärker in den Fokus. Die anfangs stark technisch geprägte Diskussion sei insbesondere durch den von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles angestoßenen Dialog-Prozess und das vom Ministerium veröffentlichte Weißbuch „Arbeiten 4.0“ um den Aspekt der Arbeitswelt bereichert worden.

 

Der hohe Anteil an gut ausgebildeten Fachkräften in Deutschland bildet nach Ansicht von Sabine Pfeiffer eine solide Basis für die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Schon heute greifen gut ausgebildete Facharbeiter immer wieder steuernd in komplexe Arbeitsprozesse ein. Die duale Ausbildung und das im Arbeitsprozess erworbene Erfahrungswissen ließen sich nur schwer ersetzen, betonte sie dabei. Darüber hinaus verkennen viele, insbesondere aus den USA stammende Studien, die Realitäten hier in Deutschland. Einen massenhaften Arbeitsplatzverlust sieht die Wissenschaftlerin nicht, wenngleich es zu Veränderungen in vielen Branchen kommen werde.

 

 

Unverzichtbar: Vertrauen und eine offene Unternehmenskultur

 

Wie sich ein Unternehmen den Chancen und Herausforderungen einer sich verändernden Arbeitswelt stellt, schilderten Thomas Pein, Head of Employment Policies, und Charles Hübler, Betriebsrat, in ihren Ausführungen am Beispiel der Merck KGaA. Für die zukünftige Arbeitswelt bedarf es eines Kulturwandels im gesamten Unternehmen. Denn neue Arbeitsformen und -modelle stellen gleichermaßen auch neue Anforderungen an Mitarbeiter und Vorgesetzte. Ohne Vertrauen auf beiden Seiten, also zwischen Mitarbeiter und Führungskraft sowie zwischen Betriebsrat und Unternehmen, ginge es nicht. Die gelebte Sozialpartnerschaft sei hier eine tragende Säule für die Gestaltung des Wandels.