Praxis im Betrieb
Ansicht   
Daten und Fakten

Clariant Produkte (Deutschland) GmbH

Internet:
www.clariant.de

Familienfreundliches Unternehmen

Clariant Gersthofen - Familienfreundlichkeit ist Teil der Unternehmenskultur

Foto: Fotolia - Wojciech Gajda

Familienfreundlichkeit nicht nur als Schlagwort verstehen, sondern im täglichen Umgang miteinander in der Alltagswelt praktizieren – diese Vision auch in den Niederungen des Alltags umzusetzen, hat man sich bei Clariant im Industriepark Gersthofen bei Augsburg zum Ziel gesetzt.

 

Gersthofen ist ein Industriestandort mit mehr als hundertjähriger Tradition und wechselvoller Geschichte. Die historische Lech-Chemie wurde 1952 Teil der Farbwerke Hoechst. Mit der Neustrukturierung der Hoechst AG entstand auch in Gersthofen ein Industriepark und die Chemikalienproduktion wurde 1997 in die Clariant AG integriert. „Die Chemie“ hat von daher in der Region und im Bewusstsein der Menschen einen festen Platz. Auch beim Thema „Familienfreundlichkeit“ gibt es gewachsene Strukturen: Bei Dienstjubiläen die Erholungsverschickung gemeinsam mit dem Partner, Pensionärsfeiern und als weitere Angebote Freizeitheim, Tennisplätze und Kegelbahn.

 

Der moderne Alltag freilich stellt ganz andere Ansprüche. Waltraud Hager, Betriebsratsvorsitzende der Clariant Produkte GmbH: „Familie und Beruf sind gleichermaßen wichtig. Das Leben mit Kindern und die Freude daran müssen möglich sein, ohne gravierende Einschnitte in die Finanz- und Karriereplanung.

 

Bei Clariant hat man beizeiten die Weichen gestellt. So gibt es seit Dezember 2002 bereits eine Gesamtbetriebsvereinbarung „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“.

 

Für Robert Brüstl, Personalleiter bei Clariant in Gersthofen, sind dies wichtige Bausteine im Wettbewerb: „Familienfreundlichkeit ist ein strategischer Wettbewerbsfaktor zur Gewinnung, Motivation und Bindung von qualifizierten Beschäftigten.“ Dies werde durch Umfragen untermauert, so Brüstl. Danach halten 79 Prozent der Studierenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers. Nur 42 Prozent sehen ein hohes Einkommen als ausschlaggebend an.

 

Die Gesamtbetriebsvereinbarung legt den Schwerpunkt auf eine zusätzliche betriebliche Erziehungszeit und auf die Freistellung wegen Pflege von Angehörigen. In beiden Fällen ist es möglich, bis zu einem Jahr das Arbeitsverhältnis ruhen zu lassen. Außerdem kann – zeitlich begrenzt - in eine Teilzeitbeschäftigung gewechselt werden. Die betriebliche Erziehungszeit kann bis zur Vollendung des 8. Lebensjahres des Kindes in Anspruch genommen werden. „Damit haben wir auch auf die Herausforderungen des demografischen Wandels reagiert“, so Betriebsratsvorsitzende Waltraud Hager. „Die Pflege von Angehörigen nimmt die Beschäftigten verstärkt in Anspruch.

 

“Ein gängiger Vorbehalt: Viele Beschäftigte würden für Kinderbetreuung oder Angehörigenpflege zwar gerne eine Auszeit in Anspruch nehmen, fürchten jedoch, während dieser Zeit von den Entwicklungen an ihrem Arbeitsplatz „abgehängt zu werden“. Auch dafür hat die Vereinbarung bei Clariant eine Lösung. Zum einen verpflichtet sich das Unternehmen, während der betrieblichen Elternzeit aktuell über Entwicklungen im Betrieb zu informieren. Zum anderen wird die Teilnahme an internen und externen Weiterbildungsprogrammen angeboten „um die berufliche Qualifikation zu erhalten und zusätzlich zu fördern“, heißt es in der Betriebsvereinbarung.

 

Unter das Stichwort Familienfreundlichkeit zählt Personalleiter Brüstl noch eine Reihe weiterer Angebote: „Mit unserer Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit kommen wir den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegen. Dazu gehören etwa Gleitzeit ohne eine Kernarbeitszeit sowie die Möglichkeit, Plus-Stunden in ganzen Tagen abzufeiern. Wir bieten Job-Sharing und Telearbeitsplätze.“

 

Auch aus Unternehmenssicht sei das ein profitabler Weg. „Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource eines Unternehmens. Wo findet Familienfreundlichkeit noch statt, ohne hohe Kosten zu generieren?“ Gleichwohl ist es ein gutes Stück Weg, bis der Anspruch, Familienfreundlichkeit als Teil der Unternehmenskultur zu verstehen, überall Alltag ist. „Das ist ein Lernprozess“, so Waltraud Hager, „da muss man viel Überzeugungsarbeit leisten, auch Vorgesetzte gehen oft zögerlich heran.

 

Personalleiter wie Betriebsratsvorsitzende sind allerdings einhellig der gleichen Ansicht: „Unsere Gesellschaft muss eine kinder- und familienfreundliche Gesellschaft sein. Dazu gehört die Balance von Familie, Elternschaft und Beruf. Und um dies  zu erreichen, müssen alle gemeinschaftlich zusammenarbeiten.“

Zum Unternehmen

Clariant Produkte (Deutschland) GmbH ist in Gersthofen eines von insgesamt zwölf Unternehmen im Industriepark. Rund 370 Beschäftigte sind bei Clariant tätig. Clariant unterhält sieben eigene Produktionsbetriebe.

 

Die Produktionsbetriebe stellen verschiedene Spezialchemikalien her, die meisten davon sind Vor- oder Zwischenstufen für Endprodukte aus allen Lebensbereichen. Aus Gersthofen kommen vor allem Vorprodukte für die chemische Industrie, Wachse und Polymeradditive.

 

Zu den Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen am Standort gehören unter anderem ein hochmodernes Labor und ein Technikum, die Produktionsprozesse vom Laborstadium bis hin zur Großproduktion entwickeln.