Praxis im Betrieb
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Familienfreundliche Personalpolitik

tesa Hamburg - Vertrauen auf Flexibilität und Firmenkultur

tesa-Werk Hamburg - Foto: tesa
Thomas Wulff (l.) und Rüdiger Pomaska (r.) - Foto: Kronlage

„Beide Seiten müssen flexibel sein.“ Unter diesen Vorzeichen gehen die Sozialpartner beim tesa-Werk in Hamburg das Thema familienfreundliche Personalpolitik an, zum Vorteil der Beschäftigten, wie auch des Unternehmens.

 

Teilzeit ist kein neues Thema im Betrieb im Hamburger Industriegebiet Hausbruch südlich der Elbe. „Im Laborbereich ist bei uns Teilzeit weit verbreitet“, so Betriebsratsvorsitzender Thomas Wulff, „Vor allem von Frauen wird sie stark genutzt.“ Mit der neuen gesetzlichen Regelung zur Elternzeit ist aber „mehr Drive in das Thema gekommen“, so Wulff: „Die Tendenz ist steigend.“ Außerdem interessierten sich mittlerweile auch verstärkt die männlichen Kollegen.


 
Probleme bei der Umsetzung sieht man bei tesa nicht. „Beide Seiten müssen flexibel sein und ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten miteinander in Einklang bringen“, beschreibt Werksleiter Rüdiger Pomaska das Herangehen: „Als Produktionsstandort im internationalen Wettbewerb müssen wir unsere Kosten und Flexibilität im Griff haben. Unsere Mitarbeiter wissen das und wir finden gemeinsam gute Lösungen, bei denen der Mitarbeiter und das Unternehmen zufrieden ist. Unser Unternehmen beweist auch bei diesem Thema eine hohe soziale Kompetenz, denn ich finde, dass Kinder einfach zu unserem Leben gehören.“

 

Betriebsrat wie Unternehmen vertrauen dabei auf den sozialpartnerschaftlichen Umgang und die gewachsene Firmenkultur. So betont das Unternehmen im Rahmen seiner sechs Unternehmensleitsätze: „Die Motivation, Kompetenz und Effizienz aller Mitarbeiter sichert unseren dauerhaften Erfolg. Unsere Fähigkeit, die richtigen Menschen in das Unternehmen zu holen und sie zu binden, ist für uns ein zentraler Erfolgsfaktor. Die Wertschätzung unserer Mitarbeiter ist in unseren Führungsgrundsätzen verankert.“

 

Basis der individuellen Regelungen sind zum einen die gesetzlichen Maßgaben für Teilzeitarbeit. Zum anderen gibt es bei tesa für die Arbeitszeit eine „Flextime-Regelung“. „Das Ganze muss sich dem Abteilungsbedarf anpassen“, so Betriebsratschef Wulff. Denn in der Produktion werde im Schichtdienst gearbeitet. Wulff macht freilich auch keinen Hehl daraus, dass der Betriebsrat gern eine andere Lösung sehe: „Wir haben eine Partnerschaftsvereinbarung erarbeitet. Die würden wir gern als Grundlage für familienfreundliche Regelungen im Rahmen der Elternzeit sehen.“ Dies ist bislang allerdings noch nicht Konsens.

 

Das eine möglichst optimale Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer wichtiger wird, steht für Betriebsratschef Wulff außer Frage: „Die Unternehmen sind darauf angewiesen, ihre gut qualifizierten Fachkräfte an den Betrieb zu binden. Angesichts des demografischen Wandels kann es sich keiner mehr leisten, Kompetenz einfach ziehen zu lassen.“


 
Darauf hat man sich auch bei tesa längst eingestellt. Wulff: „Wir haben ein Projekt namens Methusalem initiiert. Es hat die Auswirkungen des demografischen Wandels auf unseren Betrieb zum Thema. Immerhin beträgt das Durchschnittsalter der Beschäftigten bei uns momentan etwa 47 Jahre.“ Methusalem wurde im Übrigen schon vor dem in der Chemietarifrunde 2008 vereinbarten Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ in Gang gesetzt. Das Tarifwerk sorge nun freilich, da sind sich Werksleiter Rüdiger Pomaska und Betriebsratsvorsitzender Wulff einig, für „eine besondere Dynamik“.

 

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Zum Unternehmen

Das tesa-Werk gehört als eigenständige Gesellschaft „tesa Werk Hamburg GmbH“ zur tesa-Gruppe.

 

Rund 410 festangestellte und etwa 30 befristet beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter produzieren ein- und doppelseitige Klebebänder. Es sind Speziallösungen, die hauptsächlich in der Hochleistungsindustrie verarbeitet werden.

 

Dazu gehören unter anderem die Automobilindustrie, Elektrohersteller, die Papierproduktion sowie Flexo- und Offset-Druckereien.