Praxis im Betrieb
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Suchtprävention

Evonik Degussa Hanau - Aktiv für Suchtfreiheit im Betrieb

Foto: istockphoto.com / ranplett
Heinz Schostock (Leiter Mitarbeiterberatung Industriepark Wolfgang) und Jürgen Franzel (Betriebsratsvorsitzender Evonik Wolfgang)

Es ist oft ein Problem, doch man redet nicht gern darüber und „kehrt es lieber unter den Teppich“ – Schwierigkeiten, die Menschen mit Suchtmitteln haben. Anders bei Evonik im Hanauer Industriepark Wolfgang. Dort geht man die Suchtproblematik aktiv an.

 

Die Grundlage wurde bereits vor zwei Jahrzehnten gelegt: Zum 1. November 1987 trat bei Degussa in Wolfgang eine Betriebsvereinbarung über „Betriebliche Hilfsmaßnahmen bei Suchterkrankungen“ in Kraft. Zwei Jahre später folgte im Dezember 1989 eine weitere Betriebsvereinbarung zur „Vorgehensweise bei Trunkenheit im Betrieb“. Damit wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket für drei Ziele geschnürt: Die Arbeitssicherheit zu erhöhen, Alkoholmissbrauch zu verhindern und den Betroffenen soweit wie möglich zu helfen. Zudem stellten die Vereinbarungen die Gleichbehandlung aller Beschäftigten sicher.

 

Die Sichtweise hat sich freilich im Laufe der Zeit verändert. Mittlerweile fordern Suchtmittel generell Aufmerksamkeit. Jürgen Franzel, Betriebsratsvorsitzender des zu „Evonik Gemeinschaftsbetrieb Wolfgang“ umfirmierten Unternehmensteils: „Es können ja ganz unterschiedliche Suchtmittel zu Problemen führen. Alkohol ist ein Teil davon, aber auch Drogenkonsum und Medikamentenmissbrauch darf man nicht aus dem Blickfeld verlieren.“ Zustimmung auch bei Heinz Schostok. Schostok ist Leiter der Mitarbeiterberatung bei der Industriepark Wolfgang GmbH (IPW), dem Dienstleister für die im Industriepark Wolfgang ansässigen Unternehmen. IPW wickelt auch das Personalmanagement ab. Schostok: „Ohne die Betriebsvereinbarung von 1987 gäbe es nicht die mittlerweile praktizierte und institutionalisierte Mitarbeiterberatung. Die Aspekte von Arbeitssicherheit und Gesundheitsförderung greifen wir auf und verstärken sie.“

 

Aufklärung und Schulung ist ein wesentlicher Aspekt. Dies geschieht etwa im Rahmen der Ausbildung, die als Gemeinschaftsaufgabe von der Industriepark Wolfgang GmbH (IPW) für im Industriepark ansässige Unternehmen wahrgenommen wird. Das IPW-Ausbildungszentrum bildet rund 300 junge Leute in insgesamt elf Berufen aus. Das Zentrum ist das größte im Main-Kinzig-Kreis. Beim IPW startete 2007 eine für alle Azubis verpflichtende Seminarreihe „Fit für IPW“. Neben Seminaren über ein systematisches Gesundheitstraining, Arbeitsplatzergonomie und Ernährungsberatung steht auch Drogen- und Suchtprävention auf dem Lehrplan.

 

Mit einem Aktionstag im Rahmen der Suchtwoche 2007 wurde überdies die betriebsinterne Öffentlichkeit gesucht. So wurde an alle Mitarbeiter die „Flaschenpost“ verteilt, ein eigens zur Suchtwoche von der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen und anderen Institutionen publiziertes Informationsblatt. Es gab Informationsstände vor den Betriebscasinos, einen Test zur Einschätzung des eigenen Trinkverhaltens von Alkohol  sowie eine Fülle an Informationsmaterial.

 

Ein weiteres Feld ist die Aufklärung und Schulung der Führungskräfte. Schostok: „Der Blick auf Suchtstörungen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Heute stehen diffuse Verhaltensauffälligkeiten von Mitarbeitern, die eventuell einen suchtspezifischen Auslöser haben können, im Mittelpunkt jeder professionellen Intervention. Führungskräfte, Vorgesetzte und wichtigen Multiplikatoren wie Betriebsräte und Mitarbeiter aus dem Personalbereich sowie die Ausbilder müssen frühzeitig handeln.“ Dem dienen etwa Thesen, die unter anderem vom Institut für betriebliche Suchtprävention in Berlin verfasst wurden. In Form von acht Empfehlungen sind sie Teil der aktuellen Beratungspraxis im Unternehmen. Schostok: „Ziel muss ein aktives Führungsverhalten sein. Das schließt als wichtige Führungsaufgabe die aktive Auseinandersetzung mit Verhaltensauffälligkeiten von Mitarbeitern ein.“ Sein Fazit: „Der positive Nutzeffekt dieser Vereinbarung ist unstrittig groß und hilfreich.“

 

Betriebsratsvorsitzender Franzel unterstreicht dies: „Das Thema Suchtprävention hat unverändert einen hohen Stellenwert und dies als einen Schwerpunkt bei Schulungen für Vorgesetzte zu machen ist richtig und wichtig. Wir haben vor rund 20 Jahren mit dieser Vereinbarung einen wichtigen Schritt getan und uns der Verantwortung gegenüber den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb sowie gegenüber dem Arbeitgeber gestellt. Wichtig ist die Balance von aktiver Auseinandersetzung mit Suchtauffälligkeiten und der Hilfe vor Ausgrenzung. Vor diesem Hintergrund sind die Erfahrungen mit unseren Vereinbarungen durchweg gut.“ 

Das Unternehmen

Die Evonik - Degussa GmbH Essen ist im Industriepark Wolfgang mit Forschung und Produktionszweigen wie der Herstellung von Vorprodukten für Arzneimittel, Chemiekatalysatoren und Spezialacrylaten angesiedelt. Fünf der sechs Evonik-Geschäftsbereiche haben ihre Forschung und Entwicklung sowie Anwendungstechnik im Industriepark Wolfgang konzentriert.

 

Die Evonik Degussa GmbH ging hervor aus der Degussa AG. Seit Mitte September 2007 ist die GmbH die Chemie-Sparte des Evonik-Industries-Konzerns mit Sitz in Essen. Die Chemiesparte ist das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen und zugleich das weltgrößte Spezialchemieunternehmen.