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Demografischer Wandel

Gemeinsame Erklärung „Qualifizierung" von BAVC und IG BCE

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Erfolgsfaktor Innovation

Die chemische Industrie mit mehr als einer halben Million Beschäftigten ist einer der wichtigsten und innovativsten Wirtschaftszweige in Deutschland. Die Branche unterliegt einem permanenten Prozess der Erneuerung. Produkte und Verfahren werden ständig verbessert oder neu erfunden. Neuentwicklungen der Querschnittsbranche Chemie beeinflussen auch andere Industriezweige entscheidend, z. B. in der Automobilindustrie.

 

Der Chemiestandort Deutschland kann im internationalen Wettbewerb nur durch höchste Qualitätsstandards und innovative Produkte und Dienstleistungen gesichert werden, die ihrerseits von einem hohen Qualifikationsniveau und stetiger Weiterbildung der Mitarbeiter in den Unternehmen der Branche abhängen. Nachwuchssicherung und Qualifizierung sind damit wesentliche Erfolgsfaktoren für die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie.


Nachwuchssicherung: Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung"

Erste Weichenstellungen für die Nachwuchssicherung erfolgen bereits im Kindergarten und später in der Schule. Aufgabe der Bildungspolitik ist es, bei den Kindern und Jugendlichen mehr Interesse für naturwissenschaftliche Schulfächer zu wecken, denn ein attraktiver Unterricht in Naturwissenschaften kann Berufsentscheidungen hinsichtlich Ausbildung und Studium positiv beeinflussen.

 

Die Chemie-Sozialpartner haben aus ökonomischen und sozialen Gründen ein hohes gemeinsames Interesse an einer qualifizierten Berufsausbildung in der Branche. Zur Förderung der Ausbildung wurde im Jahr 2003 der Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung" abgeschlossen. Darin haben sich die Chemie-Arbeitgeber gemäß der demografischen Entwicklung bei den Schulabgängern zu einer Steigerung des Ausbildungsplatzangebotes um insgesamt 7 % bis 2007 verpflichtet.

 

Die Unternehmen der chemischen Industrie leisten mit ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nur einen beachtlichen Beitrag zur eigenen Nachwuchssicherung. Die Branche wird damit auch im besonderen Maße ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht und es zeigt sich in der chemischen Industrie, dass es keiner gesetzlichen Regelungen bedarf, um die Ausbildungsfrage vernünftig und zukunftsorientiert zu lösen.


Lebensbegleitendes Lernen: Tarifvertrag zur Qualifizierung

Mit dem „Tarifvertrag zur Qualifizierung", der am 1. Januar 2004 in Kraft getreten ist, haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer der chemischen Industrie entschlossen hinter die Maxime des lebensbegleitenden Lernens und der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit gestellt.

 

Der optionale Tarifvertrag ermöglicht den Betriebspartnern, sich über eine planvolle und systematische Qualifizierungsarbeit im Unternehmen zu verständigen. Er gibt den Rahmen vor, um Qualifizierung unternehmensspezifisch auszugestalten und in freiwilligen Betriebsvereinbarungen zu konkretisieren. Bei Qualifizierungsmaßnahmen gilt dabei das Prinzip einer fairen Kostenverteilung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Berücksichtigung des betrieblichen und individuellen Nutzens. Bei diesem angemessenen Eigenbeitrag der Arbeitnehmer, welcher die Eigenverantwortung für die eigene Beschäftigungsfähigkeit widerspiegelt (Employability-Ansatz), ist eine Verknüpfung mit Langzeitkonten ausdrücklich möglich.

 

Darüber hinaus werden sich die Sozialpartner dafür einsetzen, die Bildungsbeteiligung insbesondere bei Un- und Angelernten, Frauen, ausländischen Arbeitnehmern sowie bei älteren Arbeitnehmern zu steigern.


Initiativen der Sozialpartner zur Förderung von Ausbildung und Qualifizierung

Zum Erhalt und zum Ausbau der Innovationskraft der Branche flankieren die Chemie-Sozialpartner die tarifvertraglichen Regelungen zur Ausbildung und zur Qualifizierung durch weitere Initiativen und Maßnahmen. Einige Beispiele:

  • Der paritätisch besetzte gemeinsame Berufsbildungsrat richtet im Zwei-Jahres-Turnus den „Wettbewerb für Ausbilder in der chemischen Industrie" aus. Die prämierten Arbeiten werden veröffentlicht, um dadurch Ausbildungsinnovationen zu fördern.
  • Durch das gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) realisierte Forschungsprojekt „Chemische Industrie Weiterbildungssystem" (CIWES) sollen die Unternehmen der chemischen Industrie, die Beschäftigten der Branche sowie Weiterbildungsanbieter darin unterstützt werden, das Weiterbildungssystem der chemischen Industrie und damit den Chemiestandort Deutschland auch in Zukunft erfolgreich und wettbewerbsfähig zu gestalten.
  • Die von BAVC und IG BCE gemeinsam gegründete WeiterbildungsStiftung (WBS) führt Projekte zur betrieblichen Weiterbildung durch und stellt den Unternehmen der Branche praxiserprobte Arbeitsmaterialien (z.B. Lehrgangskonzepte) zur Verfügung. Speziell zur Umsetzungsförderung des Qualifizierungstarifvertrags wurde die „Qualifizierungsinitiative Chemische Industrie (qci)" ins Leben gerufen. In diesem Kontext werden den Verantwortlichen im Betrieb mittels anwendungsorientierter Broschüren Anregungen und Hilfen für die Planung und Durchführung von Qualifizierungsvorhaben angeboten (www.qci.wbs-wiesbaden.de).
  • Schließlich bieten die Chemie-Arbeitgeberverbände und auch die IG BCE mit ihren Landesbezirken ein breites Spektrum an aktuellen Informations- und Weiterbildungsangeboten für ihre Mitglieder an.


Verantwortung wahrnehmen

All diesen Aktivitäten liegt die übereinstimmende Überzeugung zugrunde, dass ein hohes Qualifikationsniveau im gemeinsamen Interesse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern liegt. Qualifizierung dient gleichzeitig der Sicherung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und dem Erhalt und der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer. Beide Seiten müssen diese Verantwortung wahrnehmen.


Wiesbaden/Hannover, 29. März 2006