Vereinbarungen
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Drogen

Keine Drogen in der Arbeitswelt

Joselito Briones - iStockphoto.com

Gemeinsame Hinweise des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie e.V., der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, der IG Chemie-Papier-Keramik,
des Verbandes der Chemischen Industrie in Zusammenarbeit mit Werksärzten der chemischen Industrie

Der Konsum illegaler Drogen ist ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem, das in die Unternehmen der chemischen Industrie als Spiegelbild der Gesellschaft hineinreicht.

 

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie, die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, die Industriegewerkschaft Chemie-Papier-Keramik und der Verband der Chemischen Industrie sehen deshalb Handlungsbedarf auf staatlicher und berufsgenossenschaftlicher Ebene zur entsprechenden Weiterentwicklung der rechtlichen und sicherheitsrechtlichen Rahmenbedingungen.

 

Sie sehen insbesondere Handlungsbedarf in den Betrieben zur Weiterentwicklung vorhandener Betriebsvereinbarungen "Alkohol" bis hin zum "Konsum und Mißbrauch illegaler Drogen".

 

Sie bitten deshalb die Unternehmensleitungen, die Führungskräfte und die Betriebsräte, mit geeigneten Informationen und Veranstaltungen auf allen Ebenen für dieses Thema zu sensibilisieren und Umsetzungswege zu diskutieren, die mit dem Drogenkonsum verbundenen Risiken rechtzeitig zu erkennen und zu minimieren.


1. Erfahrungen nutzen und weiterentwickeln

Es ist allgemein bekannt, daß Alkoholmißbrauch am Arbeitsplatz zu erheblichen Problemen führen kann. Dementsprechend existieren in vielen Betrieben seit Jahren Vereinbarungen über "Betriebliche Hilfsmaßnahmen bei Suchterkrankungen" mit dem Ziel, für dieses Themenfeld zu sensibilisieren, Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen und Suchtkranken eine Chance zur Therapie und zur Wiedereingliederung in das Arbeitsleben zu eröffnen. Ein weiteres Ziel ist der Schutz der Beschäftigten, der Verbraucher und der Umwelt vor den Risiken alkoholbedinten Fehlverhaltens.


2. Drogenkonsum führt zu Persönlichkeitsveränderungen

Infolge des sich verändernden Drogenkonsumverhaltens in unserer Gesellschaft und der bereits in Teilbereichen vorgenommenen Auflockerung des Drogenkonsumverbots hat sich ein zusätzliches Problem aufgebaut, das - insbesondere in der jüngeren Generation - bis in das Arbeitsleben hineinreicht.

 

Im Rahmen einer Repräsentativerhebung zu Konsum und Mißbrauch illegaler Drogen hat das Bundesgesundheitsministerium bereits 1990 festgestellt, daß bei den 12- bis 39jährigen Bundesbürgern 16,3% der Befragten über entsprechende Erfahrungen verfügten. Hierbei wiesen Haschisch und Marihuana einen Anteil von 10,5 % auf, Opiate 0,9 %, Kokain 0,6 % sowie Aufputschmittel und Halluzinogene 1,8 %. Die Vermutung, daß sich dieser Prozentsatz inzwischen insbesondere durch die sog. Party- bzw. Designerdrogen erhöht hat, dürfte nicht zu gewagt sein. 1992 wurden bei Untersuchungen von unter 40jährigen Verkehrsteilnehmern, die in schwere Unfälle verwickelt waren, in 25 % der Fälle Cannabis-Spuren nachgewiesen.

 

Während ein Alkoholrausch meist nach 24 Stunden verflogen ist, können die Nachwirkungen einiger illegaler Drogen dagegen bis zu 14 Tagen andauern. Die unmittelbare Rauschwirkung von z.B. Haschisch währt über 3 bis 6 Stunden und ist durch zum Teil vorhandenes desorientiertes Benehmen gekennzeichnet. Eine akute Wirkung zeichnet sich je nach Art der Droge in einem Zeitraum von 2 bis 14 Tagen zum Beispiel durch eine Reduzierung von Funktionen wie Kurzzeitgedächtnis und Entfernungseinschätzung, Reaktionsvermögen sowie Konzentrations- und Motivationsverlust aus.


3. Sicherheitsgerechtes Verhalten am Arbeitsplatz

Der Konsum illegaler Drogen ist deshalb nicht nur ein ernstzunehmendes gesellschaftliches, sondern auch ein sicherheitsrelevantes und damit auch ein umweltrelevantes Problem. Chemische Betriebe sind ihren Beschäftigten, ihrer Nachbarschaft und der umgebenden Umwelt in ihrem Wirkungsgefüge besonders verpflichtet. Sie sind deshalb vor allem bei Tätigkeiten, die eine Eigen- bzw. eine Fremdgefährdung mit sich bringen können, auf verantwortungsbewußte und kompetente Mitarbeiter angewiesen.

 

Das neue Arbeitsschutzgesetz verpflichtet die Unternehmensleitungen, "erforderliche Maßnahmen unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen". Dieses Gesetz formuliert allerdings auch Pflichten der Beschäftigten: "Die Beschäftigten sind verpflichtet, nach ihren Möglichkeiten für ihre Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit Sorge zu tragen..."


4. Denkmodelle entwickeln

Unternehmensleitungen, Betriebsräte und Beschäftigte in der chemischen Industrie sind deshalb gefordert, neue betriebliche Denkmodelle zu entwickeln und einzusetzen, die den Schutz dieser Mitarbeiter, der Kolleginnen und Kollegen sowie der Allgemeinheit gewährleisten können.


Wiesbaden, den 25. Oktober 1996