Vereinbarungen
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Standortsicherung und Beschäftigungsförderung

Empfehlungen zur Beschäftigungsförderung

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Diese Empfehlungen sind von den Chemie-Tarifvertragsparteien auf Bundesebene zusätzlich zu dem Schlichtungsspruch vom 11. Januar 1994 vereinbart worden. Sie sind Teil des Chemietarifrunden-Gesamtergebnisses.

Die Chemie-Tarifvertragsparteien auf Bundesebene bekennen sich zu ihrer gemeinsamen Verantwortung für die Förderung der Beschäftigung in der chemischen Industrie. Sie betrachten es als fortlaufende gemeinsame Aufgabe, ihren beschäftigungspolitischen Zielen, insbesondere auch im Sinne der Erhaltung und Sicherung des Chemie-Standortes Deutschland gerecht zu werden.

 

Der Inhalt der neuen Tarifregelung soll insbesondere auch diesem Ziel dienen und in der gegenwärtigen Rezessionsphase soviel Beschäftigung wie möglich sichern. Dafür enthalten die geltenden Chemie-Tarifverträge eine Reihe von Regelungen, deren Nutzung zur Beschäftigungsförderung beitragen kann. Die Tarifvertragsparteien nehmen diesen Tarifabschluss zum Anlass, die Betriebsparteien aufzufordern, bei Beschäftigungsproblemen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die nachfolgend aufgeführten Möglichkeiten in ihre Entscheidungsprozesse prüfend einzubeziehen.


Flexible Arbeitszeit

Die im Chemie-Manteltarifvertrag vorgegebenen Modelle der Arbeitszeitgestaltung, wie insbesondere die Ausdehnung des Verteilzeitraumes auf bis zu 12 Monate und zehnstündige tägliche Arbeitszeiten, können dazu beitragen, ungleichmäßigen Arbeitsanfall zu bewältigen.


Arbeitszeitdifferenzierung

Im Bedarfsfall kann vor allem die manteltarifliche Möglichkeit einer Arbeitszeitverkürzung bis zu 2,5 Stunden ohne Lohnausgleich für Arbeitnehmergruppen zur Aufrechterhaltung eines möglichst hohen Beschäftigungsstandes in Betracht gezogen werden.


Freizeitausgleich von Mehrarbeit

Notwendig werdende Mehrarbeit kann gemäß manteltariflicher Vorschrift an einem anderen Tage eingespart werden. Dadurch können sich auch beschäftigungsfördernde Wirkungen ergeben.


Kurzarbeit

Die gesetzlich gegebenen Möglichkeiten zur Durchführung von Kurzarbeit sollten unter Beachtung der tariflichen Bestimmungen besonders geprüft werden.


Teilzeitarbeit

Teilzeitarbeit kann zu zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten oder zur Aufrechterhaltung von Beschäftigung führen. Zur Vermehrung von Teilzeitarbeit sind entsprechende Arbeitgeberangebote an in Betracht kommende Arbeitnehmer eine Voraussetzung. Zu den positiv zu bewertenden Teilzeitarbeitsmodellen gehören auch freiwillige Arbeitszeitherabsetzungen für ältere Arbeitnehmer mit dem Ziel, Beschäftigungsmöglichkeiten für jüngere Arbeitnehmer zu eröffnen oder zu sichern. Für die Beschäftigung in Teilzeitarbeit ist die Regelung des § 7 des Teilzeittarifvertrages besonders zu beachten.


Unbezahlte Freistellung von der Arbeit

Die unbezahlte Freistellung von Arbeitnehmern kann für andere Arbeitnehmer Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen. Es sollten deshalb Möglichkeiten geprüft werden, interessierten Arbeitnehmern solche unbezahlten Freistellungen auch dadurch zu erleichtern, dass sie nach ihrer Rückkehr vergleichbare Arbeitsplätze zu den betriebsüblichen Bedingungen erhalten.


Weiterbildung

Berufliche Weiterbildung ist geeignet, die Einsatzbreite von Arbeitnehmern zu erweitern und dadurch ihre Einsatzmöglichkeiten auszuweiten.

 

Die Tarifvertragsparteien sind sich darüber einig, dass betriebliche Maßnahmen der Weiterbildung der Erweiterung der fachlichen und persönlichen Kompetenz der Arbeitnehmer dienen und damit auch unter mittel- und längerfristigen Gesichtspunkten beschäftigungsfördernde Wirkung haben.


Übernahme von Auszubildenden

Die Ausbildung in der chemischen Industrie ist traditionell qualitativ hochwertig und bleibt zur Sicherung eines qualifizierten Nachwuchses unerlässlich. Nach wie vor gilt der Grundsatz "Ausbildung geht vor Übernahme".

 

Da in der gegenwärtigen Krise nicht in allen Betrieben für alle Auszubildenden genügend Vollzeitarbeitsplätze zur Verfügung stehen, wird auf folgende Möglichkeiten der Erleichterung der Übernahmeproblematik hingewiesen:

 

Wenn im Ausbildungsberuf keine Arbeitsplätze angeboten werden können, andererseits in anderen Berufen Arbeitsplätze vorhanden sind, bietet sich die Übernahme auf einen ausbildungsfremden Arbeitsplatz an.

 

Als Alternative ist die Möglichkeit der Übernahme auf einen Teilzeitarbeitsplatz in Betracht zu ziehen.

 

Die Unternehmen sollten darüber hinaus prüfen, inwieweit die Bestimmungen des § 13 VI Ziffer 1 (Wiedereinstellung und betriebsbedingte Umsetzungen) im Falle der Nichtübernahme von Auszubildenden angewendet werden können.

 

Im Übrigen ist auf die Erklärung des Chemie-Berufsbildungsrates vom 12. November 1993 hinzuweisen.


Hannover, den 11. Januar 1994