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Standortsicherung und Beschäftigungsförderung

Initiative für Standortsicherung und Beschäftigung

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Mit dieser Initiative, die Teil des Chemie-Solidarpakets vom 29. März 1996 ist, haben die Chemie-Tarifvertragsparteien ihre Empfehlungen aus dem Jahr 1994 erweitert und fortgesetzt.


Die Tarifvertragsparteien der chemischen Industrie haben schon in den vergangenen Jahren die Förderung der Beschäftigung und die Schaffung von mehr Ausbildungsplätzen als vordringliche Ziele innerhalb ihrer tarifpolitischen Verantwortung betrachtet. Mit dem Tarifabschluss 1996 wird dieser Weg weiterentwickelt.

 

Im Einzelnen sind folgende Punkte mit einzubeziehen:


1. Nutzung der neuen Möglichkeiten zur Altersteilzeit

Die Tarifvertragsparteien haben auf der Basis der zu erwartenden gesetzlichen Regelung einen neuen Tarifvertrag über Altersteilzeit geschaffen. Dieser bietet die Möglichkeit eines gleitenden Überganges älterer Arbeitnehmer in den Ruhestand zu abgesicherten materiellen Bedingungen. Auf diese Weise können Neueinstellungen gefördert werden. Darüber hinaus werden zusätzliche Möglichkeiten für die Übernahme junger Menschen nach der Ausbildung geschaffen.


2. Förderung von Teilzeitarbeit

Das Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen sollte grundsätzlich ausgeweitet werden, um den Wünschen von Arbeitnehmern nach mehr Teilzeitarbeit entsprechen zu können. Diesbezüglich sind auch Veränderungen in der Arbeitsorganisation bzw. im Arbeitsmanagement im Unternehmen notwendig. Dabei kann Teilzeit auch ein Modell zur flexibleren Arbeitszeitgestaltung im Sinne von Unternehmen und Arbeitnehmern sein.

 

Ferner bietet Teilzeitarbeit zusätzliche Möglichkeiten für Modelle der Übernahme von Auszubildenden im erlernten Beruf. Es gilt, auf allen in Frage kommenden Ebenen die Schaffung von mehr Teilzeitarbeitsplätzen durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen und dabei auch Vorurteile und Vorbehalte abzubauen.

 

Die Tarifvertragsparteien werden sich beim Gesetzgeber dafür einsetzen, dass bestehende Hemmnisse für ein vermehrtes Arbeitgeberangebot von Teilzeitarbeitsplätzen beseitigt werden.


3. Reduzierung der Mehrarbeit

Die Tarifvertragsparteien haben durch eine Neuregelung innerhalb des Manteltarifvertrages die Möglichkeiten verstärkt, Mehrarbeit zu reduzieren und anfallende Arbeiten innerhalb der regelmäßigen Arbeitszeiten zu bewältigen. Dazu dienen die verstärkten Möglichkeiten des Freizeitausgleichs bei Mehrarbeit, Jahresarbeitszeiten und Zeitkonten.


4. Befristete Arbeitsverhältnisse

Um die Bereitschaft zu Neueinstellungen zu fördern, können nach gemeinsamer Auffassung der Tarifvertragsparteien auch befristete Arbeitsverhältnisse Beschäftigung fördern.

 

Die Vereinbarung befristeter Arbeitsverhältnisse kann insbesondere zur Deckung eines zeitweiligen Arbeitskräftebedarfs anstelle sonst erforderlich werdender notwendiger Mehrarbeit in Betracht kommen.

 

Erfahrungsgemäß bilden befristete Einstellungen häufig eine Vorstufe für unbefristete Übernahmen.


5. Einstellung und Eingliederung von Langzeitarbeitslosen

Die Tarifvertragsparteien haben als beschäftigungsfördernde Maßnahme für Langzeitarbeitslose abgesenkte Einstellbezüge vorgesehen. Angesichts der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt bedarf es unter Einbeziehung von Fördermaßnahmen darüber hinausgehender Anstrengungen, um diesem Personenkreis zusätzliche Chancen zu eröffnen. Die Tarifvertragsparteien empfehlen, dass sich die regionalen "Runden Tische" dieser Thematik annehmen.


6. Entwicklung und Ausbau des Ausbildungsplatzangebotes

Durch die Ausbildungsplatzinitiative und die Behandlung an den "Runden Tischen" im Jahre 1995 konnten auf der Bundesebene die Zahl der Ausbildungsplätze um 13 % gesteigert werden. Die Tarifvertragsparteien sind sich darüber einig, dass auch im Jahr 1996 gemeinsame Anstrengungen unternommen werden, um das erreichte Niveau der Ausbildung zu halten und nach Möglichkeit weiter zu steigern.


7. Beschäftigungssichernde und beschäftigungsfördernde Maßnahmen auf betrieblicher Ebene

Die Betriebsparteien sind gehalten, die neuen tarifvertraglichen Möglichkeiten und Instrumente in konkrete Beschäftigungsmöglichkeiten vor dem jeweiligen betrieblichen Hintergrund umzusetzen.

 

Sie werden aufgefordert, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die jeweiligen betrieblichen Möglichkeiten zur Umsetzung der beschäftigungsfördernden Maßnahmen zu prüfen und sind verpflichtet, zur Erörterung der Umsetzungsmöglichkeiten Beratungen aufzunehmen, wenn eine Seite dies fordert.

 

Dabei ist es Aufgabe der Betriebsparteien, Anregungen für betriebliche Möglichkeiten und Entwicklungen in einen gemeinsamen Diskussionsprozess einzubringen.


Dabei sind folgende Themen zu berücksichtigen:

  • Schaffung neuer Ausbildungsplätze
  • Reduzierung der Mehrarbeit
  • Schaffung von mehr Teilzeitarbeitsplätzen
  • Umwandlung bisher befristeter in unbefristete Arbeitsverhältnisse
  • Zusätzliche Einstellungen von Langzeitarbeitslosen
  • Übernahme von Ausgebildeten
  • Nutzung des Arbeitszeitkorridors


8. "Runde Tische für Arbeitsmarktfragen"

Die bestehenden "Runden Tische für Arbeitsmarktfragen" erhalten mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen und deren Umsetzung zusätzliche Aufgaben.


Mainz, 29. März 1996