Vereinbarungen
Ansicht   
Standortsicherung und Beschäftigungsförderung

Förderung der Teilzeit

Monkey Business - Fotolia.com

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V., Wiesbaden und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Hannover schließen folgende Sozialpartnervereinbarung zur Förderung der Teilzeit


Präambel

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie e. V. und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie halten es in Anbetracht

  • des fortschreitenden Strukturwandels
  • der demographischen Entwicklung
  • der neuen Technologien
  • der Arbeitsmarktsituation
  • des gemeinsamen Interesses von Arbeitgeber und Arbeitnehmer
  • einer stärkeren Orientierung des Berufslebens an individuellen Lebensphasen

für erforderlich, die Verbreitung der Teilzeit zu fördern.


1. Attraktivität durch Vielfalt der Teilzeitarbeit

In der chemischen Industrie bestehen seit langer Zeit tarifvertragliche Regelungen zur Teilzeitarbeit, um deutlich zu machen, dass Teilzeitarbeit ein übliches und normales Beschäftigungsverhältnis darstellt. Teilzeitarbeit ist vertraglich vereinbarte Arbeitszeit, die dauerhaft kürzer ist als die tarifliche regelmäßige Arbeitszeit. Zu den Gestaltungsformen gehören beispielsweise die stundenweise Reduzierung der Arbeitszeit oder die Verkürzung an bestimmten Tagen, Wochen oder Monaten, das klassische Halbtagsmodell, individuelle Arbeitszeitkonten, rollierende Schichtsysteme bis zur Reduzierung je nach Arbeitsanfall oder nach der persönlichen Lebenssituation.


2. Grundsatzpositionen zur Förderung von Teilzeitarbeitszeit

Die Arbeitzeitflexibilisierung - auch in Form von Teilzeitarbeit - trägt dazu bei, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen. Sie erleichtert die Vereinbarkeit persönlicher und betrieblicher Belange. Individuelle Arbeitszeiten können Arbeitnehmern entsprechend ihrer individuellen Lebensphase den Einstieg in das Berufsleben ermöglichen, zur Erhaltung des Know-how des Mitarbeiters beitragen oder einen graduellen Ausstieg aus dem Arbeitsleben vorbereiten. Qualifizierte Mitarbeiter werden gefördert und bleiben dem Unternehmen erhalten. Die Unternehmen können auf saisonale und konjunkturelle Nachfrageschwankungen reagieren.

 

Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien, Produktionsverfahren und -zyklen eröffnen in allen Unternehmensbereichen größere Spielräume für neue Möglichkeiten der Flexibilisierung und Individualisierung der Arbeitszeit.


3. Wege zur Verbreitung der Teilzeitarbeit

Flexible individuelle Arbeitszeiten sind für Frauen und Männer gleichermaßen interessant. Durch gezielte Informationen über die Vorteile der Arbeitszeitflexibilisierung werden bestehende Vorbehalte bei Personalverantwortlichen, Führungskräften und Arbeitnehmervertretern abgebaut. Ihnen kommt bei der Verwirklichung der Arbeitszeitflexibilisierung eine besondere Vorbildfunktion und Schlüsselrolle zu.

 

Offenheit und Bereitschaft zu Veränderungen bei Arbeitsinhalten und -abläufen sind Voraussetzungen, um passende Lösungsansätze zu finden. Veränderungsbereitschaft und Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsort erhöhen für den Mitarbeiter die Realisierungschancen des Wunsches nach einer individuellen Arbeitszeitgestaltung. Dazu gehört auch die Bereitschaft, am Nachmittag zu arbeiten.

 

Alle Beteiligten sind gehalten, gemeinsam nach einer für alle Seiten tragfähigen Lösung für eine flexible Arbeitszeitgestaltung zu suchen. Die erfolgreiche Verwirklichung von individuellen Arbeitszeitlösungen erfordert zwischen den Beteiligten einen gegenseitigen Informations- und Abstimmungsprozess. Dabei kann es für die Verbreitung von flexiblen Arbeitszeitmodellen hilfreich sein, wenn bereits für neu zu besetzende Arbeitsplätze die Möglichkeit einer individuellen Arbeitszeitlösung in Betracht gezogen wird.


4. Geeignete staatliche Rahmenbedingungen

Die Sozialpartner appellieren an die politisch Verantwortlichen, für geeignete Dienstleistungsangebote wie beispielsweise bei der öffentlichen Infrastruktur, für Kinderbetreuungsplätze und bedarfsgerechte schulische Betreuung zu sorgen.


5. Unterstützungsmaßnahmen der Sozialpartner

Zur Verbreitung und Förderung der Teilzeit werden die Sozialpartner bestehende Arbeitszeitmodelle und Erfahrungen dokumentieren, publizieren und in geeigneten Gremien wie den regionalen runden Tischen für Arbeitsmarktfragen oder mit gemeinsamen Sozialpartnerveranstaltungen begleiten.


Wiesbaden, den 24. August 2000