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These Workshop I:

Unternehmerischer Erfolg

Verantwortlich Handeln: Soziale Marktwirtschaft braucht nachhaltigen unternehmerischen Erfolg

Das Thesenpapier

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Workshop I - Unternehmerischer Erfolg

Foto: istockphoto.com / Andrey Volodin

Verantwortlich Handeln: Soziale Marktwirtschaft braucht nachhaltigen unternehmerischen Erfolg - mit diesem Themenkomplex beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Workshops im Rahmen des Wittenberg-Prozesses der Chemie-Sozialpartner am 24. und 25. September 2007. Im folgenden die These, Leitlinien und Erläuterungen:

 

These
Verantwortlich Handeln: Soziale Marktwirtschaft braucht nachhaltigen unternehmerischen Erfolg

 

Leitlinien

Die Sozialpartner der chemischen Industrie bekennen sich zu ihrer Verantwortung für die Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist unser gemeinsames Interesse, mit nachhaltigem unternehmerischen Erfolg die Soziale Marktwirtschaft unter den Bedingungen der Globalisierung weiterzuentwickeln.

 

Unternehmerischer Erfolg, der von nachhaltig handelnden und wettbewerbsfähigen Unternehmen erzielt wird, ist Bedingung für Innovationen, Investitionen und Arbeitsplätze.

 

Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg verlangt Integrität und Verantwortlichkeit aller Beteiligten, das heißt ökonomisch wertschaffendes, sozial ausgewogenes und ökologisch verträgliches Handeln.

 

Erläuterung

Die Soziale Marktwirtschaft ist die beste Rahmenordnung, um Wohlstand, sozialen Frieden und die Teilhabe aller dauerhaft zu ermöglichen. In ihrem Mittelpunkt stehen die Menschen: Die Soziale Marktwirtschaft gewährt jedem verlässliche Bedingungen, um mit eigenen Möglichkeiten in Freiheit und Eigenverantwortung seine Ziele zu erreichen. Benachteiligten und unverschuldet in Schwierigkeiten Geratenen bietet sie zugleich soziale Absicherung und Hilfe.

 

Das Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft beruht auf der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft aller am Wirtschaftsprozess Beteiligten. Soziale Marktwirtschaft und unternehmerischer Erfolg sind deshalb auf die Zustimmung der Menschen angewiesen. Um diese zu erreichen, müssen zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt werden: Nachhaltigkeit im Handeln und Teilhabe.

 

Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg setzt wirtschaftliches Handeln und wettbewerbsfähige Unternehmen voraus. Damit verbieten sich Vorgehensweisen, die zu Lasten einzelner Gruppen gehen oder gegenwärtige Lebensgrundlagen sowie die künftiger Generationen gefährden. Nachhaltigkeit verlangt deshalb ein langfristig an ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen orientiertes Handeln. Nur so kann die Zustimmung zur Sozialen Marktwirtschaft dauerhaft gewährleistet werden.

 

Teilhabe bedeutet, dass die Menschen an der Sozialen Marktwirtschaft partizipieren: An Entscheidungen und an Ergebnissen. Dabei geht es nicht nur um die Verteilung „des Kuchens“, sondern auch um dessen Herstellung. Einerseits müssen alle die Chance erhalten, gemäß ihrer Fähigkeiten an dessen Entstehung mitzuwirken. Andererseits benötigen Beschäftigte und Unternehmer, die ihn produzieren, die Sicherheit, einen gerechten Anteil zu erhalten. Der Anspruch auf Teilhabe verlangt aber auch die Übernahme von Pflichten, insbesondere die Bereitschaft zur Leistung und zum lebenslangen Lernen.

 

Unternehmerischer Erfolg, nachhaltiges Handeln und Teilhabe brauchen verlässliche Rahmenbedingungen. Soziale Marktwirtschaft – als Modell nachhaltigen Wirtschaftens – ist deshalb als dauerhafte Aufgabe zu verstehen, die es gemeinsam zu gestalten gilt:

 

Der Staat muss den Ordnungsrahmen für fairen Wettbewerb und soziale Gerechtigkeit schaffen. Er muss den wirtschaftlichen Gesamtprozess – auch im Hinblick auf die nationalen Interessen im internationalen Wettbewerb – stabilisieren und die notwendigen Infrastrukturen zur Verfügung stellen. Der Staat trägt auch eine Mitverantwortung für die breite Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft in der Bevölkerung. Staatliche Regulierung soll Freiheit eröffnen und nicht ersticken. Das setzt voraus, dass diese Freiheit auch verantwortlich genutzt wird.

 

Hierbei kommt den Sozialpartnern eine wesentliche Rolle zu: Sie müssen die berechtigten Interessen organisieren, artikulieren und zur Geltung bringen. Sie sind wichtige Vermittlungsinstanzen zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern, Politik und Zivilgesellschaft. Mit ihrer Kompetenz und Erfahrung können sie maßgeblich zur Gestaltung des öffentlichen Diskurses über die Chancen und Herausforderungen der Sozialen Marktwirtschaft beitragen.

 

Verantwortung tragen auch die Unternehmen. Sie müssen nachvollziehbar zeigen, dass sie sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und die Freiheit, die ihnen die Soziale Marktwirtschaft gewährt, nicht missbrauchen. Mit verantwortlichem Handeln können sie die Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft glaubhaft vorantreiben.

 

Staat, Sozialpartner und Unternehmen tragen somit eine besondere Verantwortung für den Erhalt einer von allen akzeptierten Sozialen Marktwirtschaft. Gleichwohl ist auch von allen anderen gesellschaftlichen Gruppen zu erwarten, dass sie ihre Interessen fair und im Dialog in den Diskurs einbringen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu einer gesellschaftlichen Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil beitragen.

 

Die Sozialpartner der chemischen Industrie bekennen sich zu ihrer Verantwortung für die Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist unser gemeinsames Interesse, durch nachhaltigen unternehmerischen Erfolg diese Wirtschaftsordnung zu stabilisieren und unter Bedingungen der Globalisierung weiterzuentwickeln. Soziale Marktwirtschaft braucht funktionierende Sozialpartnerschaft als tragendes Element gesellschaftlicher Zusammenarbeit zum gemeinsamen Vorteil. In deren Erfolgsbedingungen wollen wir als Chemie-Sozialpartner investieren.