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These Workshop III:

Gute Arbeit

Verantwortliches Handeln: Gute Arbeit braucht Respekt, Fairness, Vertrauen und Verantwortung

Das Thesenpapier

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Workshop III - Gute Arbeit

Foto: istockphoto.com / Alexander Raths

Verantwortlich Handeln: Gute Arbeit braucht Respekt, Fairness, Vertrauen und Verantwortung - mit diesem Themenkomplex beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des dritten Workshops im Rahmen des Wittenberg-Prozesses der Chemie-Sozialpartner am 29. und 30. Januar 2008. Im folgenden die These, Leitlinien und Erläuterungen:

 

These

Verantwortlich Handeln: Gute Arbeit braucht Respekt, Fairness, Vertrauen
und Verantwortung

 

Leitlinien

Die Sozialpartner der chemischen Industrie bekennen sich zu dem Anspruch: Gute Arbeit schaffen. Unser Ziel ist es, unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs die Voraussetzungen für gute Arbeit zu bewahren, um gemeinsam von ihren Vorteilen zu profitieren. Daher werden wir weiterhin – in der Tradition unserer bewährten Sozialpartnerschaft – für eine respektvolle Verständigung eintreten, faire Standards und Regeln einfordern und mitgestalten, Vertrauen aufbauen und verantwortungsvoll für gute Arbeit eintreten. Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg ist dabei die Basis für gute Arbeit. Sie erfordert die Harmonisierung von Lebens- und Arbeitswelt. Gute Arbeit fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit durch Qualifikation und Weiterbildung. Gute Arbeit ist geprägt von einer Kultur der Teilhabe und Mitgestaltung.

 

Erläuterung

Gute Arbeit ist Mittel zum Zweck und zugleich ein Wert an sich: Arbeitnehmer wollen gute Arbeit leisten zum Zweck der Befriedigung ihrer materiellen und immateriellen Bedürfnisse; gute Arbeit ist damit Grundlage individueller Existenzsicherung. Unternehmen benötigen gute Arbeit als wesentlichen Faktor guter – im Sinne von produktiver und effizienter – Wertschöpfung. Damit erfüllt gute Arbeit auch aus Sicht der Unternehmen den Zweck der langfristigen Existenzsicherung. Und die Gesellschaft benötigt gute Arbeit, weil gute Arbeit Wohlstand schafft und damit die Stabilität von Demokratie und Marktwirtschaft maßgeblich unterstützt.

 

Diese geteilten Zwecke guter Arbeit verdeutlichen ihren Wert: Gute Arbeit erzeugt wechselseitige Vorteile. Doch sie verlangt das Zusammenwirken von Unternehmen, ihren Mitarbeitern und der Gesellschaft. Nur erfolgreiche Unternehmen werden nachhaltig jene Arbeitsbedingungen bieten können, die für gute Arbeit Voraussetzung sind. Umgekehrt sind Mitarbeiter, die dauerhaft gute Arbeit leisten, Grundlage für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg.

 

Die Basis für ein solches erfolgreiches Zusammenwirken ist gegenseitiger Respekt. Respekt bedeutet, die Standpunkte, Interessen, Lebensumstände, Kompetenzen und Leistungen des anderen ebenso wie Handlungsbedingungen und Gestaltungsgrenzen grundsätzlich anzuerkennen. So wäre es unter dieser Maßgabe verfehlt, aus Arbeitgebersicht den Arbeitnehmer einzig und allein als Produktionsfaktor zu betrachten und zu behandeln. Gleichermaßen wäre es aus Sicht des Arbeitnehmers verfehlt in Abrede zu stellen, dass Arbeit notwendigerweise auch einen Produktionsfaktor im Wettbewerb darstellt. Neben der Bereitschaft zum Perspektivwechsel setzt Respekt die Fähigkeit zu Zugeständnissen – unter fairen Bedingungen – voraus.

 

Das Gebot der Fairness bezieht sich vor allem auf den Rahmen der guten Zusammenarbeit. Fairness bedeutet, dass die berechtigten Erwartungen sowohl jener, die gute Arbeit leisten als auch derer, die sie honorieren, erfüllt werden. In Deutschland gewährleisten Arbeits- und Sozialstandards und vor allem Tarifverträge faire Bedingungen für gute Arbeit – sie sind komparative Vorteile im globalen Wettbewerb, die auch künftig gewahrt werden müssen. Gute Arbeit ist geprägt von einer Kultur der Teilhabe und Mitgestaltung.

 

Vor allem für die Bewältigung schwieriger Situationen ist wechselseitiges Vertrauen von entscheidender Bedeutung. Vertrauen wird umso leichter entgegengebracht, wenn wechselseitiger Respekt und faire Regeln vorausgesetzt werden können. Als wesentliche Grundlage für die Leistung und Anerkennung guter Arbeit muss Vertrauen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam aufgebaut und durch gemeinsame Werte, eine offene Kommunikation und faire Standards vertieft werden. Die Sozialpartnerschaft in der chemischen Industrie hat in den zurückliegenden Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen, das wechselseitige Vertrauen zwischen Unternehmen und Beschäftigen zu stärken und so gute Arbeit zu fördern.

 

Arbeitgeber und Arbeitnehmer tragen als Sozialpartner gemeinsam Verantwortung, dieses Vertrauen auch weiterhin zu rechtfertigen. Gerade unter dem Druck des globalen Wettbewerbs steigt die Bedeutung verantwortlichen Handelns. Willkür oder Rücksichtslosigkeit, beispielsweise in Form unangemessenen Drucks, gefährden dagegen gute Arbeit und damit auch den langfristigen Geschäftserfolg. Ebenso abträglich ist eine fehlende Verständigung; insbesondere dann, wenn sich Unternehmensentscheidungen umfassend auf die Arbeitsbedingungen auswirken. Eine werteorientierte Unternehmensführung, die den Bedingungen für Respekt, Fairness und Vertrauen Rechnung trägt, fördert hingegen verantwortliches Handeln und dessen Wahrnehmung.

 

Wir, die Sozialpartner der Chemiebranche, bekennen uns zu dem Anspruch: Gute Arbeit schaffen. Unser Ziel ist es, auch unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs die Voraussetzungen für gute Arbeit zu bewahren, um gemeinsam von ihren Vorteilen zu profitieren. Dafür werden wir auch weiterhin – in der Tradition unserer bewährten Sozialpartnerschaft – für eine respektvolle Verständigung eintreten, faire Standards und Regeln einfordern und mitgestalten, unser gegenseitiges Vertrauen ausbauen und verantwortungsvoll mit dem Vermögenswert gute Arbeit umgehen.