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These Workshop IV:

Globalisierung

Verantwortliches Handeln: Globalisierung braucht Fairness

Das Thesenpapier

Wittenberg-Prozess

Workshop IV - Globalisierung

Foto: istockphoto.com / Jani Bryson

Verantwortlich Handeln: Globalisierung braucht Fairness - mit diesem Themenkomplex beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des vierten Workshops im Rahmen des Wittenberg-Prozesses der Chemie-Sozialpartner am 5. und 6. März 2008. Im folgenden die These, Leitlinien und Erläuterungen:


These

Verantwortlich Handeln: Globalisierung braucht Fairness

 

Leitlinien

Die Sozialpartner der chemischen Industrie betrachten die Globalisierung als unabdingbare Voraussetzung für die Zukunft des Chemiestandorts Deutschland. Wir sehen die Chancen ebenso wie die Risiken. Mit den Möglichkeiten der Globalisierung ist verantwortlich umzugehen, gegen Missbräuche wenden wir uns. Der Tendenz einer gesellschaftlichen Spaltung in Gewinner und Verlierer der Globalisierung treten wir entgegen. Deshalb leisten wir einen Beitrag zur Gestaltung und Etablierung fairer Regeln für den weltweiten Austausch. Gemeinsam wollen wir uns mit unseren Partnern im In- und Ausland dafür einsetzen, wechselseitige Entwicklungschancen zu fördern.

 

Erläuterung

Die Globalisierung ist ein Faktum; zahlreiche Menschen erleben dieses Faktum als Bereicherung. So bietet der grenzüberschreitende Austausch von Gütern und Informationen vielfältige Chancen: Handel zwischen verschiedenen Staaten ist friedensstiftend, weil er Verständigungs- und Lernprozesse in Gang setzt, wechselseitige materielle und immaterielle Vorteile schafft und so die gegenseitige Akzeptanz fördert. Unternehmen können dank globaler Vernetzung dezentrales Wissen und Ressourcen zusammenbringen, um neue und effizientere Problemlösungen zu entwickeln. Und für den Einzelnen bedeutet die zusammenwachsende Weltgesellschaft – trotz vieler Unwägbarkeiten – oftmals auch mehr individuelle Freiheit und steigenden Wohlstand. Diese „Gewinne“ der Globalisierung verbieten es, den Prozess aufhalten oder umkehren zu wollen.

 

Allerdings kennt die Globalisierung auch „Verlierer“. Die Chancen auf Teilhabe sind zunehmend ungleich verteilt. Damit verknüpft ist das Risiko einer Spaltung der Gesellschaft. In Deutschland hat sich die Soziale Marktwirtschaft als Rahmen bewährt, um Benachteiligung vorzubeugen und ihre Folgen für die Betroffenen zu mildern. Angesichts der neuen globalen Bedingungen steht die Soziale Marktwirtschaft vor neuen Herausforderungen, die zugleich eine Bewährungschance darstellen.

 

Der Standort Deutschland muss wettbewerbsfähig bleiben, damit Unternehmen und Arbeitnehmer zusammen auch künftig von der Globalisierung profitieren können. Dies darf allerdings nicht bedeuten, bewährte Errungenschaften zu opfern. Vielmehr verlangt Wettbewerbsfähigkeit, in die eigenen Stärken zu investieren. Hierunter fallen in Deutschland vor allem Humankapital und -potenzial, das Prinzip der Sozialpartnerschaft und die Soziale Marktwirtschaft. Zusammen mit der Gewährung von Rechtssicherheit, sozialen Standards und dem Bildungs- und Ausbildungswesen schaffen diese Stärken ein förderliches Umfeld für Unternehmertum und gute Arbeit. Investieren bedeutet zum einen, dass der Einzelne, die Unternehmen und auch die Gesellschaft Beiträge erbringen müssen, um diese Stärken zu entwickeln. Investieren heißt zum anderen, sachgerecht Aufklärung über die Zusammenhänge, Gestaltungschancen und -grenzen der Globalisierung zu betreiben. Das Ziel der Sozialpartnermuss es deshalb sein, im Schulterschluss mit Politik und Medien das in der Gesellschaft vorherrschende Gefühl des „Ausgeliefertseins“ zu überwinden und stattdessen dazu anzuleiten, die Globalisierung im eigenen Interesse mitzugestalten.

 

Denn: Die Globalisierung ist ein Faktum – aber ihre Spielregeln sind beeinflussbar. Globaler Wettbewerb braucht faire, verlässliche und verbindliche Spielregeln; auch um sicherzustellen, dass jener, der fair spielt, am Ende nicht im Nachteil ist. Fairness bedeutet aber ebenso, sich an aufgestellte Regeln grundsätzlich – also auch, wenn im Einzelfall zumutbare Nachteile entstehen – zu halten. Mit der Sozialen Marktwirtschaft verfügt Deutschland über ein bewährtes und faires Konzept, von dessen Ideen auch Akteure in anderen Staaten profitieren können. Deutsche Unternehmen sind gut beraten, mit ihren Möglichkeiten in den Export dieser Ideen zu investieren. Denn geteilte Ideen erleichtern gemeinsames Handeln.

 

Wir, die Sozialpartner der Chemiebranche, betrachten die Globalisierung nicht nur als Chance, sondern als unabdingbare Voraussetzung für die Zukunft des Chemiestandorts Deutschland. Deshalb stellen wir uns der Verantwortung, auch zukünftig einen Beitrag zur Gestaltung und Etablierung fairer Regeln für den weltweiten Austausch zu leisten. Gemeinsam wollen wir uns mit unseren Partnern im In- und Ausland dafür einsetzen, im globalen Wettbewerb Möglichkeiten der gegenseitigen Besserstellung zu fördern. Wir wollen so die gesellschaftliche Akzeptanz für den weltweiten Handel verbessern. Die deutsche Chemieindustrie braucht faire globale Märkte, und faire globale Märkte verlangen verantwortliches Handeln – von Staaten, Unternehmen und Bürgern.